Referendariat | Über Zukunftsängste und Enttäuschungen

Ich bin kein Mensch, der gut mit Veränderungen klar kommt. Mir fällt es unheimlich schwer, Dinge in meinem Leben ändern zu müssen, wenn ich mich nicht selbst dazu entscheide. Eine neue Wohnung? Ja gerne, wenn ich aus der alten ausziehen will oder den Bezirk wechseln will. Endlich fertig mit dem Studium und rein ins Referendariat? Ja auch gerne, weil darauf habe ich hingearbeitet. Aber Weihnachten nicht mehr bei der Oma feiern können, weil ihr der Stress zu viel wird? Bitte nicht, das will ich nicht! Die Freundin zieht zurück in die Heimatstadt, nachdem man sie endlich ganz in der Nähe hatte? Bleib hier! Alles harmlose Beispiele, die ich aber wirklich nicht mag und mit denen ich schlecht umgehen kann. Aber muss ja irgendwie. Wird schon. Wenn es dann aber um große Dinge geht, die in meinem Leben verändert werden, ohne dass ich mitbestimmen kann, dann ist das sehr, sehr schwer für mich. Sowas macht mir Angst, macht mich traurig und wütend zugleich und wirft mich ziemlich aus der Bahn. Klar, ich habe einen Job gewählt, der sicher ist, den es immer geben wird und für den Bedarf da ist. Trotzdem bestimmen seit einigen Tagen Zukunftsängste meinen Tag.

Lehrer sein im Referendariat

Ich werde Lehrerin. Oder bin es schon, irgendwie. Als Referendarin steht man irgendwo zwischen den Stühlen. Man ist noch kein „richtiger Lehrer“, ist aber auch längst kein Student mehr und hat – wenn auch nicht die gleiche Anzahl an Stunden wie die „fertigen Lehrer“ – die gleiche Verantwortung für seine Schüler, steht alleine vor der Klasse (zumindest in Berlin) und kämpft sich durch die Prüfungen, Unterrichtsbesuche und das ständige unter Beobachtung stehen. Da will man gut sein, sein bestes geben.

Schon zur Schulzeiten war ich kein Mensch, der sich mit „das wird schon irgendwie werden“ zufrieden gegebene hat. Ich wollte an die beste Schule, ich wollte gute Noten, ich wollte an meine Wunschuni, ich wollte eine 1 vor dem Komma meines Masterabschlusses und ich wollte an eine Schule, die gut ist. Dafür habe ich hart gearbeitet und das habe ich erreicht. Und auch jetzt im Referendariat will ich keine halben Sachen. Von Anfang an stand für mich fest, dass ich mich anstrengen werde, um gute Noten im Referendariat zu bekommen, um gute Unterrichtsbesuche zu zeigen, um vom Kollegium anerkannt zu werden und um den Schülern eine gute Lehrerin zu sein. Ich denke, auch das habe ich bisher – nur wenige Monate vor dem Examen – erreicht.

Meine Schule ist wirklich eine tolle Schule. Die Schüler sind fantastisch, die Schule selbst für Berliner Verhältnisse relativ klein und die Kollegen sind nett. Zudem ist eine meiner Kolleginnen eine meiner besten Freundinnen, was die Arbeit natürlich erleichtert und definitiv auch spaßiger macht. Deshalb wollte ich bleiben. Unbedingt. Schon für das Referendariat wollte ich unbedingt an diese Schule zurück, nachdem ich mein Praxissemester dort absolviert hatte, ungeachtet der Tatsache, dass ich dafür jeden Morgen und jeden Nachmittag gute 1,5h fahren muss. Klappt schon irgendwie, Schlaf wird eh überbewertet (ich mach nur Spaß – ich schlafe trotzdem fast jede Nacht acht Stunden).

Wir würden Sie ja gerne behalten, aber…

Tja und die Tage war dann das entscheidende Gespräch. Ich wusste, dass es stattfinden würde, aber obwohl ich mir nicht sicher war, war ich auch nicht zu besorgt, dass es nicht klappen könnte. Mein Feedback von der Schule war immer positiv, und ich hatte das Gefühl, dass man mich schon behalten wollen würde. Wird man nicht. „Leider ist für Sie kein Platz an der Schule. Ihre Fächerkombination, Sie verstehen schon… Und wir haben da ja diese ganzen neuen Kollegen einstellen müssen. Wir würden Sie gerne behalten, aber ungünstigerweise… Wenn wir könnten, würden wir sofort… Liegt nicht an Ihnen, aber Geschichte und Geographie…“ Okay. Durchatmen. Nicht weinen. Bitte nicht vor der Direktorin weinen, Anne.

Und jetzt? Ich bin schrecklich unglücklich. Oder eher enttäuscht und traurig. Undank ist der Welten Lohn, war das erste was mir durch den Kopf ging. Wozu habe ich mich so angestrengt, wenn es nun „leider doch keinen Bedarf gibt“? Halbe Kraft und Engagement hätten zum gleichen Ziel geführt: Jobsuche. Zehn verdammte Tage vor Ablauf der Bewerbungsfrist. Ich kenne keine anderen Schulen, ich weiß nicht in welchem Bezirk ich mich bewerben soll, und wonach geht man eigentlich bei der Wahl einer Schule? Keine Schule hängt ein Schild an die Tür, auf dem steht „Wir suchen Verstärkung. SIE sind MOTIVIERT, STRESSRESISTENT und unterrichten GESCHICHTE, GEOGRAPHIE und/oder MATHE? Dann bewerben Sie sich.“ So läuft das nicht. Es gibt auch keine Seiten, auf denen geschrieben steht, welche Schule zu mir passt. Welches Kollegium, welche Schülerschaft, welche Größe und welcher Fahrtweg. Bewerbe ich mich hier in der Nähe, ohne zu wissen ob wir nicht in 5 Monaten wieder umziehen? Oder bewerbe ich mich in den „guten“ Bezirken? Aber da wollen alle hin. Und es ist ja nicht gerade so, als hätte ich Bedarfsfächer studiert. Und wie bewirbt man sich eigentlich überhaupt bei einer Schule? Innerhalb von 10 Tagen. Denn das ganze läuft ja eigentlich über Zuteilung vom Senat.

Zukunftsängste

Ich habe furchtbare Angst keine gute Schule zu finden. Oder überhaupt eine Schule. Ich will nicht an einer Grundschule landen oder an einer ISS. Hätte ich das gewollt, hätte ich das studiert. Denn Lehrer ist nicht gleich Lehrer. Metzger backen ja auch nicht plötzlich Kuchen, nur weil beides was mit Essen zu tun an. Ich will an ein Gymnasium. An eines, an dem ich mich wohl fühle und ich habe so große Angst, dass ich keines finde, an dem ich mich so wohl fühle, wie an meiner jetzigen Schule.

Was bleibt ist der Gedanke – auch wenn er vielleicht dumm ist – nicht gut genug gewesen zu sein. Es bleiben große Zukunftsängste. Und es bleibt das Gefühl, mit niemanden darüber reden zu können, außer mit dem Freund. Einerseits, weil ich losheule, wenn ich den Satz nur ausspreche (mehrfach erprobt gestern), andererseits weil es wahrer wird, wenn man es ausspricht und nicht nur denkt oder schreibt.


Habt ihr ähnliche Situationen erlebt? Und wurde es danach „nur noch besser“, wie mein Freund mir einzureden versucht?

XOXO Anni

31 Comments

  1. Was für eine blöde Situation, tut mir wirklich leid für dich! Natürlich kann man es schön reden und sagen, dass es alles nicht so schlimm ist, aber aktuell ist es schlimm für dich und du hast das Recht enttäuscht zu sein.
    Vor 9 Jahren habe ich im Job die Abteilung gewechselt und obwohl der Wechsel freiwillig war, war ich das erste Jahr extrem unglücklich. Ich kam schlecht in das neue Team, die neuen Aufgaben fielen mir schwer und ich habe meine Entscheidung bereut, aber nach einem Jahr ist der Knoten geplatzt und ich habe mich mehr und mehr in die neue Situation eingefunden. Mittlerweile bin ich vollkommen zufrieden mit meinem Job.
    Ich drück dir die Daumen, dass du eine Schule findest, die zu dir passt und an der du glücklich wirst.

    Liebe Grüße aus deiner Heimat
    Anne

    1. Danke, dass du das verstehst! Momentan sind es nur Sätze wie „das wird schon“ oder „am Ende wird alles gut“, die sicherlich gut gemeint sind,, aber eben nicht helfen.
      Was arbeitest du denn?

      1. Ich bin Krankenschwester und in der Ausbildung wird man mehr oder weniger auf die Stationsarbeit vorbereitet. Nach der Ausbildung habe ich dann auch zwei Jahre auf einer Station gearbeitet und bin dann in den OP gewechselt. Meine bisherige Berufserfahrung war hinfällig und ich musste komplett bei Null anfangen. Es war wirklich schwierig und ich habe sehr oft geweint, weil ich so unglücklich war, aber mittlerweile möchte ich nichts anderes mehr machen.
        Versuch den ungewollten Neustart als Chance zu sehen und lass dich nicht entmutigen. Falls der Start in deine neue Stelle holprig und schwierig wird, dann Versuch trotzdem das Beste daraus zu machen.
        Ich drück dir die Daumen, dass du etwas Passendes findest.
        Liebe Grüße
        Anne

  2. Oh, das ist ja echt blöd! Ich kann mich sehr gut in deine Situation hinein versetzen… In etwa einem Jahr wird es auch bei mir diese Frage geben. Ich drücke dir fest die Daumen, dass diese unsichere Zeit irgendwie schnell vorbei geht. Einen Rat zu geben fällt mir schwer, denn da holen warme Worte die Kuh auch nicht vom Eis. Einfach ein Schritt nach dem anderen, die Zeit läuft weiter – irgendwas wird passieren!

    Fühl dich gedrückt!

  3. Hey Anni!

    Diese Zukunftsängste kenne ich. Und wie ich auch schon beim Bodypositivity-Video angekratzt habe, kann ich dir wieder nur den Tipp geben: Schau in deine Vergangenheit. Stell dir vor, du hättest keinerlei Versagensängste und nicht dieses Gefühl, nicht gut genug zu sein – stell dir das vor und sage dir dann: Wie würde es dir dann in deiner jetzigen Situation gehen?

    Dein starker Ehrgeiz lässt bei mir einen kleinen Radar ausschlagen, denn ich kenne diesen (leider oftmals ungesunden!) Eifer. Dieser Drang, alles so perfekt zu machen, um endlich die verdiente Anerkennung zu bekommen. Von wem? Na,… von Mama und Papa natürlich. Ich kann dir aus Erfahrung sagen: DAS ist es, was einen kaputt macht. Nicht die verlorene Stelle, nicht die Veränderung oder die neue Herausforderung, das Leben…

    Ich weiß, dass es vielen schwer fällt, genau diesen unschönen Teil des eigenen Lebens zu überdenken und anzuschauen. Es ist geradezu verpönt, bagatellisiert („Mir hat nie was gefehlt als Kind“)… aber seien wir mal ehrlich: Haben wir uns nicht alle mal eine Umarmung mehr gewünscht, einen positiven Zuspruch, ein Lob? Haben wir uns nicht gewünscht, „gesehen“ zu werden als die, die wir sind? Seien wir ehrlich zu uns: Wir wurden oft nicht ernst genommen, verglichen, auf Leistung reduziert,

    Ich möchte sagen: Das ist schade. Und sehr traurig.

    Ich verstehe darum deine Ängste, viele Menschen tragen diese mit sich herum. Es könnte anders sein, aber dazu braucht es Mut. Nämlich den Mut, hinzusehen, immer wieder zu konfrontieren, was im Inneren brodelt, um irgendwann gestärkter zu sein, unabhängiger und mit mehr Vertrauen in sich selbst und in die Welt.

    Du bist gut genug, allein weil du bist. Du musst nichts dafür tun, um gut oder besser zu sein. Lass dir nichts anderes einreden. Was passiert, muss passieren, damit du eine ganz bestimmte Erfahrung machst und etwas für dich Relevantes lernst. Du beschreibst deinen Weg so, als wäre er bisher sehr geplant, sicher, vorhersehbar und „angepasst“ verlaufen. Da kommt nun diese ärgerliche Situation daher und läd dich ein, dich selbst zu fragen: Nun, wenns läuft – gut, aber wenns nicht läuft? Bin ich dann auch noch selbstbewusst, ruhend, gelassen?

    Das Leben ist unvorhersehbar, es lohnt sich also, diese Situation einmal ganz genau zu „studieren“. Dadurch wirst du wachsen, jedes Mal ein wenig mehr. Ja, das ist hart (die Lehren des Lebens sind es oftmals), aber es ist absolut lohnenswert.

    Damit wünsche ich dir viel Kraft, Mut und das nötige Selbstvertrauen auf deinem Weg!

    1. Liebe Alea,

      also in einer Sache muss ich dir ganz klar widersprechen. Anerkennung meiner Mama hat mir nie gefehlt, nicht einen Moment. Meine Mama ist der beste und wichtigste Mensch in meinem Leben, der Mensch, der mich bremst, wenn ich zu viel will und der, der mich auffängt, wenn ich es brauche. Hätte ich sie nicht, die mir nicht immer sagt, dass ich nicht 110% geben muss, um gut zu sein, sondern gut bin, wie ich bin, würde ich wahrscheinlich oft noch mehr tun, um „perfekter“ zu sein. Woher es kommt, weiß ich nicht, sicherlich auch aus der Vergangenheit, aber nicht aus meiner Familie 🙂

      Aber ja, du hast Recht, dass manche Sachen einfach passieren müssen, um davon zu lernen und daran zu wachsen, aber es fällt mir unglaublich schwer zu akzeptieren, dass man nicht alles planen kann.

  4. Liebe Anni,

    Ich kann total verstehen, dass du dich so fühlst. Ich bin auch ein Mensch, der unheimlich schlecht mit Veränderungen umgehen kann. Auch dann wenn sie freiwillig sind. Neue Situationen machen mir Angst, schüchtern mich ein. Deswegen versuche ich, Ihnen aus dem Weg zu gehen. Aber manchmal geht es nicht anders. Ich stehe kurz vor meinem Masterabschluss und dem Beginn des Referendariats. Und obwohl vH mich darauf freue nach dem Praxissemester endlich wieder „in die Schule zu gehen“, habe ich Angst. Vor allem in dieser Übergangsphase, in der man noch nicht weiß, wie es weitergeht, an welcher Schule lande ich, wie wird das alles, schaffe ich es alles rechtzeitig fertig zu bekommen… erdrücken mich manchmal. Aber ich habe bisher alles geschafft, dann werde ich das auch schaffen. Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass du eine Schule findest, die dir zusagt und an der du dich wohlfühlen kannst. Vielleicht ist es auch eine große Chance, etwas Neues zusehen, eine Herausforderung, aus der du später stärker rausgehen kannst.
    Liebste Grüße
    Nina

    1. Liebe Nina,

      ich kann das total verstehen. Als ich vom Master ins Ref gewechselt bin, hatte ich zwar auch Angst, aber ich habe mich auch sehr darauf gefreut, weil es eine Veränderung war. die ich wollte. Trotzdem stürzt soviel auf einen ein, dass ich dir raten kann, dir ganz schnell Verbündete im Ref zu suchen, die auch gerade anfangen und die mit dir gemeinsam durch die schwierigen Situationen gehen. Bei mir sind dadurch zwei tolle Freundschaften entstanden.
      Ich hoffe auch, dass ich in einem Jahr sagen werde: Doch nicht so schlimm, oder vielleicht sogar, dass es gut war, aber im Moment fällt es mir noch sehr schwer, daran zu glauben.

      Liebe Grüße 🙂

  5. Ich kenne das Problem mit Veränderungen. Ich habe einen Masterabschluss in Biologie und wusste lange nicht was ich damit anstellen soll, wenn ich fertig bin. In den letzten Semestern habe ich mir eine Zukunft an der Uni vorgestellt und auch mein Dozent schlug mir diese Richtung vor.
    Nach meinem Abschluss kam jedoch alles anders. Nur 3 Monate Anstellung und dann hieß es, der Job von dem wir sprachen ist erst in 3 Jahren frei. Wenn er wieder finanziert wird. Nachdem ich so lange nach meinem Weg gesucht hatte, war ich bitter enttäuscht als alles in sich zusammen fiel.
    Fast 2 Jahre war ich arbeitslos. Dann schlug mir eine Bekannte einen anderen Weg vor, den ich mir gar nicht vorstellen konnte, aber nach so langer Zeit war ich bereit alles zu versuchen.
    Jetzt arbeite ich dort seit 7 Monaten. Es war nie mein Traumberuf, aber ich fühle mich dort vor allem durch meine Kollegen sehr wohl. Vielleicht bleibe ich nicht für immer, aber ich sammel Erfahrung und lerne jeden Tag etwas neues. Ich glaube nicht, dass ich direkt nach meinem Abschluss diesen Versuch gewagt hätte, weil ich zu fest an diesem einem Weg festgehalten habe. Vielleicht gehören Umwege im Leben manchmal dazu.

    Gruß Lisa

    1. Liebe Lisa,

      ohje, das tut mir sehr Leid, dass es anfangs so schwierig war aber dafür freue ich mich umso mehr für dich, dass du jetzt glücklich bist. Ich kann total nachvollziehen, wie du dich gefühlt haben musst. Man verlässt sich auf das, was einem versprochen wird, und dann erweist es sich als Luftschloss. Das ist richtig bitter und wirft einen ziemlich aus der Bahn, kann ich mir vorstellen. Schön, dass dein Weg trotzdem ein guter ist 🙂

  6. Liebe Anne, ich kann dich soo gut verstehen! Ich war auch an einer Schule, habe mich so wohlgefühlt im Kollegium und mit „meinen“ Kindern. Dann konnte ich dort auch nicht bleiben und ich war total traurig. Irgendwie habe ich mir dann immer gesagt, dass es nun mal so ist und es auch an anderen Schulen schön ist und es auch dort tolle Kinder und nette Kollegen gibt. Und auch meinem Freund und meiner besten Freundin konnte ich nicht ewig die Ohren volljammern, da es ja nicht zu ändern war.
    Ich war dann auch zwei Wochen an einer neuen Schule. Anfangs war es ziemlich komisch, aber die Kollegen dort waren sehr nett. Ich habe mich dort ziemlich schnell sehr wohlgefühlt und wurde auch supernett aufgenommen, von den Kollegen. Gerade, als ich mich dort anfing, mich einzuleben, bekam ich dann doch einen Job an meiner „alten“ Schule. Ich habe mich natürlich sehr gefreut, aber irgendwie war ich dann auch traurig, die neuen Kollegen wieder zu verlassen.

    ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass es bei dir vielleicht auch noch mit deiner Wunschschule klappt! So wie bei mir, auch, wenn es hier, in der niedersächsischen „Pampa“ vielleicht leichter war als bei dir in Berlin. Und ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du eine ganz tolle Schule mit superlieben Kollegen findest!

    Alles Liebe 🙂

    1. Vielen Dank für deine lieben Worte 🙂
      Und eigentlich ist es auch das, was vermutlich stimmt. Letztlich wird man sich schon irgendwie einleben, und vielleicht wird es sogar schön und Kinder und Kollegen sind so toll wie hier, aber sowas braucht Zeit – und das stört mich so extrem.
      Wenn mir meine jetztige Schule dann nochmal eine Stelle anbieten würde, wüsste ich ehrlich gesagt nicht, ob ich es annehmen würde. Ich will nicht der „Notnagel“ sein, der dann kontaktiert wird, wenn man jemanden braucht sondern will jetzt gewertschätzt werden.
      Berlin ist groß – mal sehen, was die Zukunft bringt.

      Liebe Grüße,
      Anni

  7. Hey Anni,
    mir geht es gerade genauso! Bin auch im Ref und kam, so wie du, ein Jahr zu spät. Mein erstes Hauptfach wurde dringend gesucht, daher wurde eine andere Kollegin übernommen…naja dann gab es Aussichten für mein anderes Fach und es hat sich eine andere Kollegin eingeklagt und somit war auch diese Chance weg 😓 Anderswo sieht es mit meiner Fächerkombi auch sehr schlecht aus. Ich könnte in die Wirtschaft, wo ich schon als Werkstudentin gearbeitet habe aber das will ich nicht. Denn eines wurde mir während des Refs klar….Gymnasiallehrerin ist mein Traumberuf. Ich will nichts anderes machen. Und das obwohl ich mein Wochenende vor dem Schreibtisch verbringe und ich wenig Freizeit habe. Dennoch will ich nichts anderes machen. Daher bin ich gerade so verzweifelt…waren all diese Bemühungen umsonst?! Ich liebe auch meine SuS aber ich wär schon froh einfach meinen Traumberuf auszuüben in Ba-Wü. Ich fühle mit dir und hoffe es ergibt sich was. P.S. ich vergieße gerade auch ein paar Tränchen 😭

      1. Politik, Wirtschaft, Italienisch.
        Bei mir fängt die Stellensuche aber erst im April an. Dennoch ist mir jetzt schon bewusst, dass ich aufgrund der Umstände nicht übernommen werden kann. Darüberhinaus werden für Italienisch seit Jahren keine Lehrkräfte eingestellt. Oft frage ich mich, warum ich ausgerechnet diese Fachkombi studiert habe, aber ich wollte nicht einfach nur Lehrerin werden sondern liebe genau diese Fächer! Naja..jetzt kann mans nun mal nicht mehr ändern. Würdest du auch Vertretungsstellen annehmen oder auf die Berufsschule gehen? Das ist das nächste Dilemma…wenn ich jetzt Berufschule ankreuze, dann ist es ziemlich wahrscheinlich, dass ich dort lande.
        Wenn ich aber nur Gymnasien ankreuze, dann könnte ich leer ausgehen. Ist das in Berlin auch so?

  8. Hallo,

    bevor ich das Thema aufgreife möchte ich erstmal sagen, dass mir die Seite richtig gut gefällt. Deine Blogs sind alle gut geschrieben und es macht richtig Spaß sie zu lesen.

    Nun zum Thema:
    Das ist echt blöd gelauben und auf super erfahren muss ich auch nicht tun, da ich nicht in deinem Job stecke. Trotzdem möchte ich dir sagen dass ich das Gefühl kenne sich umsonst angestrengt zu haben oder nicht gut genug gewesen zu sein. Mir helfen da die guten Worte auch nicht. Was mir hilft ist nur, dass ich mich frage, was ich aus diesem Lebensabschnitt mitgenommen habe. Das sind doch ganz klar Erfahrungen. Die hast du auch gewonnen und zwar reichlich. Vielleicht setzt du dich ja später gegen einen anderen Bewerber durch, weil du besser warst – wer weiß.
    Vielleicht sollte man auch offener werden gegenüber der Schulart. Es gibt auch Schulen, die kein Gymnasium sind aber einen gymnasialen Zweig besitzen oder Gymnasialklassen haben. Auch ich habe mit diesem Schultyp Erfahrungen und er gefällt mir wirklich gut. Die Lehrer sind nett, die Schüler auch und man hat das Gefühl, dass alle sich gut verstehen – natürlich gibt es immer schwarze Schaafe, aber das kann man nicht beeinflussen. Ich hoffe sehr, dass du eine Stelle bekommst, die dir gefällt! (-:

    Liebe Grüße

  9. Hey! Ich kenne diese Sorgen wegen Veränderungen und Neuem.
    Ich kann Alea aber nur zustimmen: Auch wenn nicht alles so läuft, wie man es plant, kann es gut werden, oder man lernt zumindest was daraus. Woher kommt die eigene Angst? Wieso braucht man immer die besten Noten? Ich bin selbst immer Perfektionist gewesen, und hab davon immer noch einiges in mir, aber es geht nun besser, seitdem ich erkannt habe: Egal was passiert, ich stehe für mich ein. Wenn irgendwer meine Leistung nicht gut genug findet, dann ist das sein eigener Verlust und ich kann auch woanders glücklich werden. Immerhin war auch mal deine Lieblingsschule neu für dich, also wieso sollte das Neue immer schlecht sein? Es ist auch eine Chance!

    Viele Grüße und viel Kraft wünsch ich dir.

  10. Hei hei!
    Ich bin Erzieherin, arbeite also ebenfalls mit Kindern. Als ich die Ausbildung gemacht habe, konnte man sich noch entscheiden, ob man Krippenerzieherin werden möchte und die dementsprechenden vorbereitenden Fächer belegen, Kindergartenerzieherin oder Horterzieherin. Außerdem gab es noch die Option, in die Heimerziehung zu gehen. Für jeden Zweig gab es einheitliche Fächer an der Fachschule und es gab die spezifischen Fächer. Klar, denn ein Kind mit einem Jahr ist anders gestrickt als ein Kind mit fünf oder mit zehn.
    Es gab die Möglichkeit, in alle Bereiche hineinzuschnuppern, man konnte Praktika absolvieren, hospitieren etc.
    Aber am Ende der Ausbildung war man schließlich soweit, dass man sich für eine Richtung entschieden hatte.
    Ich habe mich für die Arbeit mit Kindern zwischen drei und sechs entschieden und angefangen, in einem Kindergarten zu arbeiten. (Keine Angst, ich komme noch auf den Punkt ;))
    Irgendwann in den letzten Jahren bekam man dann ungefragt die Zweijährigen aufs Auge gedrückt. Wird schon werden, hieß es.
    Dann kamen die Einjährigen. Wird schon werden.
    Selbstverständlich gibt es die großen Einrichtungen, in denen alles wunderbar getrennt werden kann. Aber es gibt eben auch die kleinen Einrichtungen (in einer solchen arbeite ich), die nicht den Platz dazu haben, fünf verschiedene Gruppen anzubieten. Und weil die Ein- und Zweijährigen ganz andere Bedürfnisse haben als die älteren Kinder, wird alles auf die Kleinen ausgerichtet. Die Großen müssen zurückstecken und gehen in meinen Augen unter. Die Arbeit, die ich mir ausgesucht habe, geht unter. Ich mache (größtenteils) nicht mehr das, was ich wollte, als ich diesen Beruf für mich ausgewählt habe. Meine Kollegin hat in der Zeit, in der die große Umstellung kam, einen Satz geprägt, der mir immer wieder durch den Kopf geht und zwar folgenden: „Würde man einem Gymnasiallehrer Grundschulkinder aufs Auge drücken wäre das Geschrei groß!“
    Daran musste ich denken, als ich gelesen habe, dass du, wenn du hättest Grundschule oder ISS unterrichten wollen, das studiert hättest. Lehrer ist nicht gleich Lehrer, das ist richtig. Aber Erzieher ist auch nicht gleich Erzieher und trotzdem müssen wir uns damit arrangieren, wenn wir arbeiten wollen.
    Ich möchte nicht kritisieren, dass du Zukunftsängste hast, das kann ich gar nicht. Ich denke, die hat jeder an einem bestimmten Punkt. Ich verstehe auch die Befürchtung, irgendwo arbeiten zu müssen, wo du dich nicht wohlfühlst. Es ist nicht schön, jeden Morgen mit Bauchweh aufzuwachen und zu hoffen, dass der Tag bald vorbei ist. So habe ich auch schon gearbeitet, ich weiß also wovon ich spreche. Aber manchmal ist man an einem Punkt angelangt, an dem man einfach durchmuss. Bei den wenigsten Leuten läuft alles von A bis Z wie am Schnürchen und sie überstehen es. In anderen Berufen weiß man nämlich vorher auch nicht, ob das Umfeld zu einem passt, ob man die Kollegen mag etc. Du bist in dieser Hinsicht nicht die einzige, der es so geht, auch wenn dir das vielleicht so vorkommt (was in meinen Augen ganz normal ist). Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es darum, als „richtiger Lehrer“ eine Anstellung zu finden? Ich habe einige Bekannte, die waren schon froh, nach dem Ref als Feuerwehrlehrer angestellt zu werden, von einer festen Schule konnten sie nur träumen. Wie das in Berlin geregelt ist, weiß ich natürlich nicht, ich komme aus dem anderen Ende des Landes.
    Was ich eigentlich sagen wollte ist, vielleicht bricht für dich jetzt eine Zeit des Durchkämpfens an, etwas, an dem du wachsen musst. Aber es wird bestimmt etwas sein, an dem du auch wachsen kannst.
    Mit ziemlicher Sicherheit bist du nicht in diese Lage geraten, weil du „nicht gut genug“ gewesen bist.

    Liebe Grüße, Miri

    1. Liebe Miri,

      während meines Studiums habe ich über 1 Jahr ehrenamtlich im Kindergarten gearbeitet und kann dementsprechend nachfühlen, wie es dir gegangen sein muss – meine Kollegen dort, gelernte Erzieher, haben nämlich das gleiche durchgemacht. Als ich anfing in der Kita (eine SEHR kleine Kita), waren die Kinder in meiner Gruppe 3 und 4, bevor ich gegangen bin waren sie 1,5 – 6 und die Erzieher dementpsrechend frustriert..
      Ich finde allerdings nicht, dass man das durchmachen „muss“. In der freien Marktwirtschaft würde kein Arbeitgeber sagen „Sie haben Dachdecker gelernt? Wunderbar, dann können Sie ja mit Höhe. Dann seien Sie doch unserer neuer Seiltänzer. Ist ja irgendwie das gleiche.“ In der freien Marktwirtschaft zählt, was man kann und was man geleistet hat und wird nicht verschachert, wenn man das nicht will. Ich hab jetzt entweder Glück und finde etwas, das meiner siebe Jahre langen Ausbildung entspricht oder ich muss etwas machen, für das ich nicht ausgebildet bin. Das ist ein Unterschied, der mich wütend und traurrig macht und den ich nicht hinnehmen will, nur weil nicht alles immer klappen kann. Denn ich bin jemand, der daran glaubt, dass alles klappen kann.

      Liebe Grüße 🙂

  11. Liebe Anne,
    ich habe auch wie du Geschichte und Geografie auf Lehramt an Gymnasien studiert … und genau wie du war ich extrem ehrgeizig, hatte meine 1 auch beim 2. Staatsexamen vor dem Komma und doch keine Stelle an meiner Schule.

    Ich habe meinen Abschluss nun vor fast genau drei Jahren gemacht und arbeite nun in einer festen Stelle an einer tollen Schule mit einem fantastischen Kollegium. Aber auch das kam nicht sofort und eher per Zufall, nachdem meine befristete Stelle an einem anderen Gymnasium dann ganz kurzfristig doch nicht verlängert wurde.

    Auch wenn die Stelle jetzt direkt nach deinem Referendariat noch nicht das Wahre sein sollte, so nimmt man von den Begegnungen mit den anderen Lehrern und auch den Schülern so viel für seinen weiteren Weg mit, dass auch diese Zeit (an einer vielleicht „falschen“ Schule) nur ein kleiner Umweg sein muss.

    Ich drücke dir für deine Prüfung und die Stellensuche ganz fest die Daumen
    Gaby

    1. Liebe Gaby, danke, dass du mir geschrieben hast. Jemanden, dem es genauso ging wie mir, mirr den gleichen Fächern und gleichem Weg, kann das ganz anders beurteilen und das bedeutet mir viel. Danke! 🙂

  12. Liebe Anne,
    mir ging es vor drei Jahren ähnlich: Latein und Religion studiert,am Gymnasium ausgebildet und dann gab es kaum Stellen an Gymnasien. Ich wollte aber an ein Gymnasium. Nun bin ich schon seit drei Jahren an einer Gesamtschule und dort total zufrieden! Ich würde nicht zurück wechseln wollen.
    Schau dir doch mal eine Gesamtschule näher an,schließlich gibt es dort auch eine gymnasiale Oberstufe. Ich weiß von Freunden ,dass die Vorstellung,dort zu arbeiten,auch Angst machen kann,aber ich kann dir aus Erfahrung sagen: trau dich! Und selbst wenn du irgendwann doch zurück willst,in Berlin sollte das doch flexibler möglich sein.Du bist ja auch nicht für ewig an diese Schule gebunden 🙂
    Alles Liebe,Vivi

    1. Liebe Vivi,
      vielleicht irre ich mich, aber ich glaube Gesamtschulen in Berlin sind nochmal etwas anderes, als in anderen Teilen des Landes. Ich will das wirklich gar nicht, was nichts mit trauen, sondern mit dem Anspruch an mich selbst und meinen Unterricht zu tun hat. Weißt du, was ich ´meine? 🙂

      Liebe Grüße

      1. Liebe Anne,
        ich weiß leider nicht so genau, wie es an Gesamtschulen in Berlin aussieht.
        Klar, es ist etwas anderes als am Gymnasium, aber der Anspruch bleibt ja, es ist nur vielleicht ein anderer: jedem auf seine Art etwas beizubringen, die Schüler auf verschiedenen Lernwegen zu ihrem Lernziel zu führen.
        Und ich muss sagen, an einer Gesamtschule „kommt mehr von den Schülern zurück“, man hat eine persönlichere Beziehung, ist eben nicht nur Fachlehrer, was ich als sehr schön empfinde.

        Liebe Grüße
        Vivi

  13. Liebe Anni, ich kann nachvollziehen wie es dir geht. Ich hatte ein Praktikum, in dem tollsten Team, das man sich vorstellen kann und musste danach das Unternehmen wechseln.
    Ich kenne mich mit dem Bewerbungsprozess an Schulen nicht aus. Gibt es da auch Stellenausschreibungen, auf die man sich bewerben kann? Falls ja, würde ich dir raten, dir erstmal was neues zu suchen, aber deine alte Schule immer im Blick zu behalten. Irgendwann suchen sie bestimmt genau dich!
    Halt die Ohren steif ☺️

  14. Lass dich nicht unterkriegen. Es scheint im ersten Moment immer schlimmer zu sein, als es wirklich ist. Einfach ausprobieren, du kannst ja im schlimmsten Fall nächstes Jahr an eine andere Schule gehen. Und irgendwo wartet eine Schule auf dich, welche du lieben wirst und die dich lieben wird. Ganz sicher.
    Zum Glück hatte ich diese Situation konkret noch nie.

    Wünsche dir ganz viel Glück eine Schule zu finden die du mögen wirst.

    Liebe Grüße
    Hannahh

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