Leben

MEINE WOCHE | KW 41

16. Oktober 2017
geliebt

Meine Schüler. Sie können so anstrengend sein, so desinteressiert, so aufmüpfig, so pubertär. Natürlich sind sie das, es sind Kinder und ich muss sie ja auch nicht jeden Tag zu jeder Zeit adoptieren wollen. Aber in der vergangengen Woche hätte ich sie am liebsten alle eingepackt und mitgenommen. Ich hänge im Moment ziemlich durch, und obwohl das Motto für den Unterricht lautet „The show must go on“, bin ich jemand, dem man immer JEDE Emotion im Gesicht ablesen kann. Das merken auch die Schüler, die großen und die kleinen. Und ganz ehrlich? Wer ist ein leichteres Opfer, als eine emotional angeschlagene, junge Lehrerin, die sich und ihre Rolle selbst erst einmal finden muss. Aber sie sind toll! Ohne zu schleimen, ohne es zu übertreiben, haben sie mir gesagt, dass sie mich mögen, dass ich es gut mache und in diesen Momenten ist mein Herz übergeschäumt vor Stolz auf diese kleinen großen Menschen, die so anstrengend, so desinteressiert, so aufmüpfig sein können, und es doch oft überhaupt nicht sind.

geweint

Ohja, es war wieder eine tränenreiche Woche. Zuhause ist Weinen okay. Wenn die Tür zu ist, und nur mein Freund mich weinen sieht. Der kennt das. Der ist das gewohnt. Aber ich mag es nicht, in der Öffentlichkeit zu weinen (Hochzeiten ausgenommen!). Ich fühle mich dann meistens so bloßgestellt, irgendwie schwach. Aber diese Woche habe ich mich so sehr geärgert, war so wütend und hilflos gleichzeitig, dass ich nicht nur in der Öffentlichkeit geweint habe, sondern direkt vor meiner (sehr lieben) Kollegin im Lehrerzimmer und anschließend vor meiner Vorgesetzten im Seminar. Ohne groß darauf einzugehen – das habe ich auf Instagram in meiner Story bereits gemacht -, fühle ich mich einfach unglaublich unfair bewertet in einem meiner Fächer. Ich bin gut, und das weiß ich. Aber es wird nicht honoriert, was meiner Meinung nach etwas rein persönliches ist und nicht konform geht mit meinen übrigen Noten. Erst kamen die Wuttränen, dann die der Verzweiflung. Und mittlerweile bin ich wieder so wütend, dass ich dieses Gefühl in etwas produktives umwandeln konnte, und dagegen vorgehe.

Geplant

Deshalb habe ich mir vorgenommen, diese Ungerechtigkeit nicht auf mir sitzen zu lassen und mich zu wehren. Ich bin 26 Jahre alt. Erwachsen. Und fähig. Warum sollte ich mich der Meinung einer einzelnen Person ausliefern und diese Person über meine Zukunft bestimmen lassen. Kritik ist gut, wenn sie konstruktiv ist. Wenn sie persönlich wird, ertrage ich das nicht und habe mir jetzt einen Schlachtplan gemacht. Die ersten Sachen habe ich eingeleitet, die ersten Gespräche geführt. Das wird. Es muss. Und wenn nicht mehr für mich, dann wenigstens für die, die nach mir kommen.

Geärgert

Dass meine Freizeitplanung und mein Beruf oft so gar nicht zusammenpassen. So so gerne wollte ich dieses Jahr auf die Frankfurter Buchmesse. Endlich mal. Aber ich wusste, als die Tickets und Hotels noch günstig waren, nicht, ob ich zu dieser Zeit schulische Verpflichtungen haben werde und bin wieder nicht gefahren. Keine tollen Events, keine Buchblogger, die ich endlich persönlich kennenlernen kann, keine tolle Messe. Aaaaaber, Leipzig nächstes Jahr ist Pflicht. Das ist auch so nah dran, dass ich zur Not morgens hin und abends zurück fahren werde.

getrunken

Viel zu wenig. Wie meistens. Wenn ich mal zwei Liter am Tag trinke, ist das eine Meisterleistung. Ich vergesse es einfach zu trinken, habe keinen Durst, aber auch so gar keine Lust auf eine „Hey, Anni, hast du heute schon dein 67. Glas Wasser getrunken?!“- App, die alle paar Minuten aufblinkt und mich nervt 😀 Inzwischen weiß ich, dass es ein Gendefekt ist, der mich zu wenig trinken lässt, aber maaaaaan, ich muss öfter daran denken. Denn wenn ich es nicht vergesse, liebe ich es zu trinken (okay, das klang irgendwie merkwürdig).

gekauft

Zu viel. Man, man, diesen Monat übertreibe ich es wirklich mit dem Shoppen #shameonme #yolo. Aber wer soll diesen kuschligen, herbstlichen Sachen bitte widerstehen können, wenn die Karte noch nicht überzogen ist? Deshalb habe ich mir am Samstagabend völlig undplanmäßig und eigentlich auch völlig unnötig einen braunen Pelzmantel (natürlich kein echter Pelz) bei H&M gekauft. Soooooo so so so schön. Kann es bitte wieder 15°C kälter werden, damit ich ihn anziehen kann?

 

gegessen

Da muss ich euch diese Woche direkt mal zwei Gerichte empfehlen, die ich liebe: Zum einen das Risotto “Clara“ von Vapiano. OH! MEIN! GOTT! Kürbis. Salbei. Rucola. Reis. I think I died and went to food heaven. Ich könnte das täglich essen, bitte lass die Kürbiszeit niemals enden.Das genaue Gegenteil war Bun Nem beim Vitnamesen. Kannte ich nicht, wurde mir aber empfohlen. Und wäre es nicht eine meiner engsten Freundinnen gewesen, hätte ich es niemals bestellt, weil es so lame klang: Reisnudeln mit Limetten-Chilli-Dressing (klingt trocken), dazu Frühlingsrollen (die da einfach so drinnen rumliegen, oder wie?) und dazu Salat (passt ja wohl überhaupt nicht). Passt sehr wohl und ich hätte zum Schluss am liebsten die Schüssel ausgeleckt. Unbedingt beim nächsten Mal bestellen.

 

Gefahren

Sehr viel mit Car Sharing. Mein Freund hat letzte Woche Drive Now und Car2Go für sich entdeckt, weil er seit Ewigkeiten ein neues Auto haben will. Unser Auto ist ein kleiner alter Renault (Jean heißt er. Jean Renault. Ihr versteht schon.), der seine besten Tage hinter sich hat. Mein Freund aber steht auf schnelle und teure Autos, die wir uns nur nicht leisten können. Also wurde jede erdenkliche Strecke mit BMWs, Minis oder im Mercedes zurückgelegt. Sehr bequem als Beifahrer, aber ich habe einen leichten Hass dem Sportmodus gegenüber entwickelt.

gehört

Ich höre immer noch „Es“ von Stephen King als Hörbuch und komme nicht wirklich weiter. Es ist so sterbenslangweilig, weil jetzt – nach immerhin umgerechnet 300 Seiten im Buch – noch nichts passiert ist. Dafür kenne ich jeden Charakter des Buches gefühlt bis auf die Farbe der Unterhose und den Geschmack der Zahnpasta. Das einzige was mich davon abhält es abzubrechen, ist dass jeder dieses Buch zu lieben scheint und es deshalb ja doch irgendetwas bereithalten muss. Hoffentlich. Bitte!

gesehen

Benefits Street! No regrets. Ich liebe es. Im Prinzip ist es der Vorreiter von „Hartz und Herzlich“, was ich natürlich schon komplett durchgeschaut habe, nur in britischen Städten.

gelesen

Diese Woche habe ich „Das Auge von Licentia“ angefangen und auch beendet. Ich habe mich so sehr auf dieses Buch gefreut, weil es quasi alle Elemente hat, die ich an guten Büchern liebe: Eine Aussteigergemeinschaft, die lebt wie zu Zeiten des Mittelalters und das schon seit Jahren. Das ganze wird allerdings für eine Realtiy Show gefilmt, ohne dass die Kinder und Jugendlichen des Dorfes es wissen. Klingt gut? Fand ich auch. Aber ich war fassungslos, wie sehr das Potential hier verschenkt wurde. Die Umsetzung der Idee war katastrophal schlecht.

 

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4 Comments

  • Reply Gräfin Zahl 16. Oktober 2017 at 20:43

    Es tut mir leid, dass es bei dir momentan nicht so gut läuft und du traurig bist. Aber ich finde es toll, dass du so offen bist und das online teilst, auch deine private Seite zeigst und eben nicht nur über Bücher sprichst oder übers Reisen schreibst. Ich mache mir zur Zeit auch viel Gedanken, weil es auf Arbeit blöd ist und so Sachen. Aber indem du ein bisschen von deinem Leben preis gibst, nimmst du mir ein wenig die Last.
    Es wird ja immer gesagt, social media macht unzufrieden, weil jeder sein Leben besser darstellt und andere das glauben und ihr Leben schlechter finden. Da ist es gut zu sehen, dass andere es auch schwer haben. Nicht auf eine schadenfrohe Art, sondern vielmehr auf eine „wir sitzen alle in einem Boot“ – Art ?
    Ich hoffe, dein Plan geht auf, und wünsche dir alles Gute dafür!

    • Reply ANNI PASTEL 17. Oktober 2017 at 11:03

      Ich bin auch immer froh, wenn andere ihre Sorgen und Ängste teilen, weil man dann weiß, dass selbst die scheinbar perfekten Leben eben nur “Schein“ sind. Und mir selbst hilft es auch. Irgendwie ist es therapeutisch, sich den Frust von der Seele zu schreiben und die Unterstützung die man dafür zurück bekommt hilft oft sehr, einen anderen Blickwinkel oder Distanz zu bekommen 🙂

  • Reply Alena - LOOKSLIKEPERFECT Blog 17. Oktober 2017 at 09:27

    ein sehr schöner und ehrlicher Post! Das mit dem Herbstshopping kenn´ ich, ich kauf derzeit auch viel zu viel.. „Es“ als Hörbuch wollte ich mir auch anhören, aber wenn es so langweilig ist dann lass ich es wohl lieber ?

    Liebst,
    Alena
    lookslikeperfect.net

    • Reply ANNI PASTEL 17. Oktober 2017 at 11:04

      Haha ja die Herbstmode ist einfach zu verführerisch ?
      Vielleicht gefällt es dir ja trotzdem? Ich will halt immer, dass es gleich zur Sache geht in Büchern ?

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