Leben

WIEVIELE FREUNDE BRAUCHT MAN UM GLÜCKLICH ZU SEIN?

20. Oktober 2017

 

Wieviele Freunde braucht man, um glücklich zu sein? Eine beste Freundin und einen großen Freundeskreis? Drei enge Freunde und sonst lose Bekanntschaften oder mindestens zehn verschiedene Freunde, von verschiedenen Milieus, damit einen immer jemand versteht?

Als Kind hatte ich viele Freunde

Ich glaube, in jedem Alter kann man – oder hätte ich – diese Frage anders beantworten. Als Kind war es mir unheimlich wichtig, viele Freunde zu haben, mit denen ich spielen konnte. „Hallo hier ist die Anni, kann die Lisa zum Spielen runterkommen?“ Und wenn Lisa nicht durfte, gab es da eben noch Caro und Tini und Franzi und und und und. Irgendjemand konnte immer. Dementsprechend groß waren die Kindergeburtstage, an denen ich schweren Herzens eine Wahl treffen musste, wer nun eigentlich die besten Freunde in diesem Jahr waren, die eingeladen werden durften. Zu denen ich auch zum Geburtstag wollte.

Später als Teenager hat sich das ganze schon ziemlich ausgedünnt: Eine beste Freundin, die von der siebten bis zu 13. Klasse auch mal wechselte, viele enge Freunde und etliche weitere, die man halt mag. Dabei war ich nie ein Mädchen, die viele Freunde in der Schule hatte, oder gar sonderlich beliebt war. Bei den Lehrer schon, das ja. Aber meinen Mitschülern war ich oft zu eigen, habe gesagt, was mir nicht gefällt und dadurch meinen Freundeskreis ausgedünnt, bis nur noch die Freunde übrig waren, auf die ich zählen konnte. Übrig geblieben ist davon heute niemand. Den einen oder anderen verfolgt man noch auf Facebook, aber im Großen und Ganzen habe ich keine Freunde mehr, die ich auf dem Gymnasium hatte. Dabei sind wir nicht im Streit auseinander gegangen. Zumindest meistens nicht. Aber Lebenswege ändern sich. Ich habe mich geändert. Sie haben sich geändert. Und irgendwann passte man nicht mehr zusammen. Schade, denn ich würde gerne wissen, was ihr so macht, außerhalb von dem, was die sozialen Medien mir ab und an nochmal verraten.

Wieviele Freunde braucht man?

Jetzt weiß ich aber immer noch nicht, wie viele Freunde man braucht. Fünf bis zehn Freunde, sagt die NEON, mindestens einen besten Freund, sagt der Stern. Und wenn man keinen besten Freund hat, oder weniger als zehn Freunde? Ist man dann weniger beliebt oder nur wählerischer? Ich frage mich das tatsächlich oft, denn – obwohl alle Freundschaften die auseinander gingen, dies nicht ohne Grund taten – ich vermisse es, viele Freunde zu haben. Klar, es kommt nicht auf die Quantität an, aber dennoch gehen mir diese Gedanken durch den Kopf.

Wer älter wird, verliert Freunde

Dabei ist es eigentlich logisch. Wer wie ich viel umgezogen ist, oft die „Arbeit“ wechselte und viele neue Lebensabschnitte beginnt, verliert zwangsläufig seine Freunde. Oder sortiert sie aus. Das klingt irgendwie schöner. Ich sehe das vor allem an meinem Freund. In Berlin geboren, in Berlin aufgewachsen, in Berlin geblieben. So wie alle seine Freunde. Und so sind es immer noch die gleichen sechs, sieben Jungs von früher, die wir regelmäßig sehen. Ich hingegen bin von Cottbus nach Potsdam gezogen, ins Ausland gegangen, nach Potsdam zurück gekehrt, und mittlerweile schon zwei Mal in Berlin umgezogen.

INatürlich habe Freunde, das klang jetzt irgendwie nicht so. Ich habe eine tolle Freundin, die ich seit der Grundschule habe (wahnsinnige 20 Jahre also schon) und auf die ich immer zählen kann, trotz der räumlichen Trennung von 170km. Und eine Freundin, die ich seit dem Tag meiner Geburt kenne. Unsere Freundschaft hat erstaunlicherweise die Zeit überdauert, obwohl auch sie in der fünften Klasse von Cottbus nach Süddeutschland zog. Dass es nicht mehr das gleiche ist wie früher, versteht sich, aber wir haben noch Kontakt und wissen, was der andere macht. Grob zumindest. Und dann sind da noch die neuen Freunde, die ich im letzten Jahr gewonnen habe: Zwei sind es, die geblieben sind, in den 1,5 Jahren seit dem Ref. Zwei Mädels, mit denen ich zusammen durch die Höhen und Tiefen des Lehrerwerdens gehe. Das schweißt zusammen.

Diejenigen, die man vermisst

Andere Freundinnen, von denen ich dachte es wäre für immer oder neue Freunde, von denen ich dachte es wäre für länger, sind aus meinem Leben verschwunden. Instagram hilft mir, nicht ganz den Anschluss an das Leben zu verlieren, aber was sie denken, was sie hoffen, weiß ich nicht mehr. Ich vermisse das. Ich hätte gerne wieder DIE beste Freundin von früher zurück, aber wahrscheinlich muss man Menschen ziehen lassen, wenn die Leben nicht mehr zueinander passen. Oder das Verständnis für den jeweils anderen irgendwann abnimmt.


Es ist okay so wie es ist, aber eine beste Freundin fehlt mir. Und ja, ich hätte gerne einen großen Freundeskreis. Einen der bleibt. Wie geht es euch da?

XOXO Anni

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9 Comments

  • Reply Frauke 21. Oktober 2017 at 18:07

    Interessantes Thema und eine Frage, die mich auch immer wieder beschäftigt 🙂

    Ja, wie viele Freunde / Freundinnen braucht Frau eigentlich?
    Bei mir ist das ganz ähnlich wie bei dir. Während der Schulzeit hatte ich recht viele Freunde. Da waren die Mädchen, mit denen man in einer Klasse war, aber zum Teil aus dem Nachbardorf kamen, dann waren da die ein, zwei Jahre älteren Nachbarstöchter und deren Freundinnen und außerdem noch die Töchter von Mamas Freundinnen. Irgendwen hatte man nachmittags immer zum Spielen. Dann, ab der 7. Klasse lag die Schule in der nächstgrößeren Stadt. Dort habe ich dann meine, bis zur 13. Klasse, beste Freundin kennengelernt. Und ein paar weitere Mädels kamen dazu, aber es waren nicht mehr so viele wie früher.
    Nach dem Abi ging es nach einer Weile auseinander. Die Tagesabläufe waren zu verschieden, neue Leute kamen dafür. An der Uni hatte ich eine total liebe beste Freundin, doch nach dem Studium ging auch das irgendwie auseinander. Wieder sorgte das Leben dazu, dass man sich aus den Augen verlor. Leider habe ich sie auch per Internet nie mehr wiedergefunden.

    Dann bin ich erst beruflich und dann auch räumlich in einen anderen Landkreis gezogen und habe hier neue Leute kennengelernt. Die Partnerinnen der Freunde meines Freundes, der mit seinen Freunden übrigens auch schon seit Kindheit befreundet ist. Er ist auch nie von hier weggezogen und die Jungs treffen sich regelmäßig. Da überlege ich gerade, ob das unter Männern einfacher ist, so lange miteinander befreundet zu bleiben? Ist ihre Freundschaft unkomplizierter?
    Die Frauen der Freunde meines Partners sind gute Bekannte würde ich mal sagen. Nicht meine engsten Freundinnen, dazu sehen wir uns doch wieder zu selten und hinzu kommt, dass sie sich schon ewig kennen, während ich erst reingekommen bin.

    Meine engste Freundin habe ich vor vielen Jahren kennengelernt (ich weiß gar nicht mehr vor wie vielen, aber schon vor mehr als 10 Jahren). Allerdings wohnt sie in einem anderen Bundesland und so haben wir überwiegend über whatsapp und Co Kontakt. Aber trotzdem, mit ihr kann ich über alles sprechen.

    Und seit Beginn dieses Schuljahres kam eine neue Kollegin dazu, mit der ich mich sehr gut verstehe 🙂

    Ich weiß nicht, ob es mit zunehmendem Alter weniger Freunde werden, weil jeder weniger Zeit für Freunde hat? Oder ob jeder „anspruchsvoller“ wird? Weil man vielleicht etwas sucht, was man früher hatte und es so nicht mehr findet / finden kann, da sich die äußeren Umstände verändert haben?

    Liebe Grüße

    • Reply ANNI PASTEL 26. Oktober 2017 at 11:15

      Ja, ich kann mir auch vorstellen, dass man anspruchsvoller wird, und einfach „gnadenloser“ bei seiner Auswahl. Man weiß ja, was einem wichtig ist, und sucht vielleicht danach. Und wenn man jemanden findet, heißt es ja nicht, dass der einen genauso braucht, wie man ihn oder sie 🙂

  • Reply Alea 21. Oktober 2017 at 19:55

    Ich habe 3 richtig gute Freunde (alle noch aus der Schulzeit), zur Zeit einen sehr nahen Partner (im Forum kennengelernt) und weitere gleichgesinnte Bekannte, die ich aus einem Forum kenne, in dem ich Heimat gefunden habe. Ich hatte auch nie richtig viele Freunde, obwohl es mir früher sehr wichtig war, um das Gefühl zu haben, „beliebt“ zu sein.

    Mittlerweile habe ich meine Einstellung weiterentwickelt. Ich lasse mich treiben, entfalte mich und ziehe dadurch immer wieder wunderbare Menschen in mein Leben, die sehr ähnlich ticken und denken, wie ich selbst. Ich muss dazu sagen, dass ich sehr gut mit mir alleine sein kann… ich brauche nicht immer Leute um mich herum, um mich angenommen zu fühlen – ich denke, dass das eine sehr wichtige Sache ist.

    Beziehungen entwickeln sich, so, wie man sich selbst entwickelt. Ich habe immer die Vorstellung, dass man automatisch im Leben zu den Menschen kommt, die einem wieder etwas Neues beibringen können und einen neu inspirieren können. Manchmal verlässt man diese Menschen nach einer Weile… und das ist gut so, denn das Leben ist eben purer Wandel – nichts bleibt wie es ist, aber alles entwickelt sich stetig weiter.

    Ich kann nachvollziehen, wie es dir vielleicht manchmal geht. Ich hatte während meiner Schulzeit und Jugend eine lange Phase, in welcher ich komplett allein war und gemobbt wurde. Ich fühlte mich fehl auf der Welt und es war richtig hart, wirklich hart. Hinzu kamen Schwierigkeiten in der Familie, da es meinen Eltern immer schwer fiel (und noch schwer fällt), mich wirklich zu sehen und ernst zu nehmen. Ich war wirklich sehr einsam, nicht alleine, einsam.

    Ich hatte mal einen Freund und dadurch einen größeren Freundes- bzw. Bekanntenkreis, aber ich habe schnell gemerkt, dass mich das nicht erfüllt. Ich brauche einige, wenige Menschen in meinem Leben, denen ich mich voll und ganz anvertrauen kann, mich fallen lassen kann, die meine Visionen und Gedanken verstehen oder sogar teilen. Das alles habe ich im Moment und es ist wunderbar.

    Letztendlich weiß ich aber auch, dass ich selbst der wichtigste Freund in meinem Leben bin, deshalb arbeite ich immer auch an der Beziehung zu mir selbst. Das ist für mich die Basis aller Zufriedenheit. 🙂

    • Reply ANNI PASTEL 26. Oktober 2017 at 11:18

      Alleine und einsam fühle ich mich nicht, das kam vielleicht fälschlicherweise so rüber. Ich habe durchaus Freunde und wurde sie gemobbt. Mir geht es eher darum aufzuwerfen, woran man misst, was genug ist, was zu viel und wer das bestimmt. Was mir fehlt, ist DIE eine beste Freundin, die ich immer hatte und dann irgendwie verloren habe, und jetzt oft bräuchte- oder eben die stabilen Freundschaften, die Lebensabschnitte überdauern. Ich finde eigentlich auch immer schnell Anschluss, aber ich würde gerne einen festen Freundeskreis haben und behalten – so wie der meines Freundes eben 🙂

  • Reply Gräfin Zahl 21. Oktober 2017 at 20:04

    Ich habe drei beste Freunde seit mindestens fünf Jahren und ein paar lockere Freundschaften. Davor hat die beste Freundin alle paar Jahre mal gewechselt, wie bei dir und in der Schule war ich auch nie beliebt, im Studium schon eher. Letztes Jahr bin ich nach dem Studium über 300 km weit weg gezogen. Das haben wohl nicht alle Freundschaften überstanden, wie ich an meinem Geburtstag sehen musste. Bei zweien die sich nicht gemeldet haben, war ich enttäuscht.

    • Reply Gräfin Zahl 21. Oktober 2017 at 20:07

      Einen kleinen Freundeskreis, auf den man aber sicher zählen kann, finde ich persönlich aber völlig ausreichend.

      • Reply ANNI PASTEL 26. Oktober 2017 at 11:19

        Ich finde das ist total situationsabhängig, ob man ein großen oder kleinen Freundeskreis braucht und möchte 🙂

    • Reply ANNI PASTEL 26. Oktober 2017 at 11:19

      Ja, darüber bin ich auch enttäuscht, oder wenn eben nur ein „Happy Birthday“ kommt. Aber man kann es wahrscheinlich einfach nicht ändern ;/

  • Reply Nadine 7. November 2017 at 20:47

    Super interessantes Thema und ich merke im groben ist es doch bei allen gleich. Wir verändern uns und entwickeln uns weiter und die Menschen, die uns umgeben ebenfalls. Da wäre es eher eigentümlich, wenn sich der Freundeskreis nicht weiter entwickeln würde.
    Ich gehörte nie zu den Beliebten in der Schule und habe auch damals schon meine wirklich guten Freunde außerhalb der Schule gehabt. Davon bin ich mit einigen immer noch befreundet. So eine lange Freundschaft schweißt zusammen, aber sie verändert sich auch. Jeder lebt ein anderes Leben, hat seinen eigenen durch den Beruf bestimmten Rhythmus. Früher war dieser mal gleich. Man ging eben zur Schule, wenn auch nicht zur selben Schule. Aber irgendwo war es doch identisch. Jetzt ist man in so unterschiedlichen Bereichen, dass der „Lebensrhythmus“ komplett unterschiedlich ist. Es ist „entfernter“. Dazu haben wir jeweils noch andere Freundeskreise, die auch Zeit in Anspruch nehmen. Aber ich merke auch immer wieder wieviel Wert eine solide Basis dann doch ist. Wieviel die ausmacht. Egal wie lang man sich nicht gesehen hat und was man alles verpasst hat, sobald man sich wieder sieht, ist es zumindest für diese Stunden wie früher.
    Insgesamt bin ich aber der Typ der keinen großen Freundeskreis braucht. Dafür habe ich lieber richtig gute Freunde, auf die ich mich verlassen kann.
    Mein allerbester Freund ist aber tatsächlich mein Mann. Und selbst, wenn das mit uns nicht ewig halten sollte (was ich nicht hoffe) möchte ich ihn als besten Freund behalten.

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