Unterrichten

5 Tipps für ein gelungenes Staatsexamen im Referendariat

15. März 2018

Machen wir uns nichts vor: Das Referendariat ist eine furchtbar anstrengende Zeit, sowohl vom Aufwand als auch von den Nerven, die einen die Vorbereitung, die Kollegen, die Schüler oder das manchmal so unüberschaubare Ausmaß an Verantwortungen, Aufgaben und Terminen kosten. Irgendwie schafft man es, sich von Woche zu Woche zu hangeln und zu unterrichten.Doch alles hat ein Ende (nur die Wurst hat zwei) und so geht auch diese Zeit meistens schneller als gedachte zu Ende. Der Rettungsring Festanstellung ist schon irgendwo am Horizont zu sehen und man muss nur noch sein Staatsexamen hinter sich bringen. Nur noch. Sehr lustig.

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Die Vorbereitung des Examens benötigt Zeit. Viel Zeit. Und da in unserem schönen föderalistischen Land jeder sein eigenes Süppchen kocht, kann ich hiermit natürlich in erster Linie erst einmal nur Tipps für die Vorbereitung der Examensprüfung in meinem Bundesland, Berlin, sprechen. Nichtsdestotrotz kann dieser kleine Guide auch vielleicht für euch hilfreich sein, wenn ihr einen wichtigen Unterrichtsbesuch vorbereiten müsst, ähnliche Vorgaben für die Prüfung des zweiten Staatsexamen Lehramt habt oder im Rahmen eures Studiums oder Praktikums unterrichten müsst.

Das Examen in Berlin

Ganz kurz zu den Rahmenbedingungen des Examens in Berlin für Gymnasiallehrer: Nachdem man seine drei Semester Referendariat erfolgreich hinter sich gebracht hat, beide Modulprüfungen bestanden hat und dank seiner drei Vornoten auch zum Examen zugelassen worden ist, steht dem Spaß nichts mehr im Wege. Man zeigt zwei Unterrichtsstunden, eine in der Sekundarstufe I und eine in der Sek II, in seinen beiden jeweiligen Fächern (in meinem Fall in Geographie in einer 8. Klasse und Politik (anstellt von Geschichte) in einem Grundkurs im Jahrgang 11). Bei dieser Prüfung sitzen dann – natürlich – die Schüler mit in der Klasse, nebst den beiden Fachseminarleitern der jeweiligen Fächer, der Schulleitung und einem Hauptseminarleiter, bei dem man selbst nicht im Seminar war. Diese schauen sich den Unterricht an, gleichen ihn mit dem im am Morgen eingereichten Unterrichtsentwurf ab und bewerten den Unterricht. Anschließend hat man die Gelegenheit seine Stunden zu rekapitulieren und zu verteidigen, wobei man natürlich feststellt, wo es noch Probleme gab. Frei nach dem Motto „Nobody is perfect.“

Die fünf goldenen Regeln

Früh anfangen

Ja, ich weiß. Das ist jetzt vermutlich nicht gerade ein Tipp mit Aha- Effekt, aber für mich ist es schlicht DER Tipp, wenn man nicht nur früh genug anfängt, sondern auch das ganze gut organisiert. Mach dir klar, wann dein Termin sein wird. Von der Anmeldung bis zur eigentlichen Stunde vergehen einige Monate, je nachdem ob du am Anfang oder am Ende des Prüfungszeitraumes liegst, aber auf jeden Fall genug Zeit, um alles zu strukturieren. Das hilft dir den Überblick zu behalten.

Als erstes solltest du genau abwägen, welches Thema du zum Zeitpunkt deiner Prüfung machen willst. Ist es dein Lieblingsthema oder eines, mit dem du dich schwer tust? Gibt es viele Materialien oder müsstest du erst eine große Recherche vorher starten? Und, kann man vielleicht noch etwas am Ablauf drehen? Dafür solltest du dir schon zu Beginn des jeweiligen Halbjahres (ich mache es sogar immer schon zum Schuljahresanfang) eine Planung mit Themen (laut Rahmenlehrplan oder Curriculum) anfertigen und groß Unterthemen festlegen. Als ich das gemacht habe, habe ich festgestellt, dass mein Prüfungsthema in Geographie eines gewesen wäre, das mir nicht gefallen hätte. Also habe ich es schon Monate vor der Prüfung so gedreht, dass ich zum Thema Migration und Bevölkerung mein Examen halten werde. Beachte dabei aber, ob es chronologisch sein muss. Für Geschichte wäre es zum Beispiel eher schwierig, den Zweiten Weltkrieg vor dem Ersten Weltkrieg zu behandeln 😉

Wenn das klar ist, und du dein Thema festgelegt und langfristig genug geplant hast, dann plane bis dahin auf jeden Fall Puffer- Stunden ein. Vielleicht wirst du krank, oder es geht plötzlich der halbe Kurs auf Exkursion und wirft deine ganze Planung durcheinander. Und wenn du sie nicht brauchst, auch gut, dann kannst du die übrig gebliebenen Stunden zum Wiederholen oder Einüben nutzen. Mir hat dieses Vorgehen sehr geholfen, weil ich genau wusste, was ich noch machen muss: Ich hatte noch so und so viele Stunden Zeit bestimmte Methoden einzuüben und zu wiederholen. Ich wusste genau, dass ich diese und nächste Woche noch diese Grundlagen schaffen muss und konnte im Kopf Schritt für Schritt abhaken.

 

Materialien sammeln

Es gibt Themen und Fächer, da ist die Materialsuche eher einfach: Mathe oder Sport (ausgenommen die Theorie) fallen mir da ein. Aber dann gibt es auch wieder Fächer, wie die Gesellschaftswissenschaften, Sprachen oder Künste, in denen das öffentlich zugängliche Material nicht so vielfältig vorhanden ist und auch qualitativ eher mittelmäßig. Deshalb ist es gut, wenn man sein Thema schon früh weiß (siehe Punkt 1) und wie ein Eichhörnchen anfangen kann zu horten. Es gibt verschiedene Websites, auf denen man Materialien für den Unterricht bekommt. Freunde und Kollegen, die die gleichen Fächer haben, schauen bestimmt gerne einmal für euch daheim nach, ob sie noch das eine oder andere Buch oder Arbeitsheft zum Thema haben, oder habt ihr vielleicht sogar eine Bibliothek bzw. einen Materialraum in der Schule, den ihr nutzen könnt? In Berlin hat man den großen Vorteil, dass die drei Schulbuchriesen Klett, Westermann und Cornelsen Shops in der Stadtmitte haben, in denen man stöbern kann. Auch das Medienforum ist ein super Anlaufpunkt. Dort habe ich gefühlt jedes Medium zu meinen beiden Themen angeschaut und Ideen daraus gezogen. Oder schaut auf YouTube, da gibt es fast für jedes Fach tolle Videos und Tutorials.

Ich habe übrigens bei Westermann inzwischen vier verschiedene Abos für die Praxis- Zeitschriften abgeschlossen. Hat man das nämlich (und für Referendare sind die Kosten echt voll in Ordnung), dann kann man das gesamte Onlineprogramm der jeweiligen Zeitschrift nutzen.

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Pedantisch sein

Okay, ich gebe es zu, das ist mein Lieblingspunkt. Weil ich ihn so besonders gut kann. Aber gerade bei einer so wichtigen Prüfung wie dem Staatsexamen ist es wirklich super wichtig, dass ihr ganz genau seid. Das fängt beim Rahmenlehrplan an und endet bei Rechtschreibfehlern im Entwurf. Prüfer achten darauf wohl besonders gerne.

Checkt unbedingt, ob und inwieweit euer geplantes Thema bzw. eure Reihe in den Rahmenlehrplan eures jeweiligen Bundeslandes und Faches passt. Und überprüft lieber drei Mal, ob ihr euch im richtigen Schuljahr / Doppeljahrgangsstufe und dem Q- Semester befindet. Zumindest in Berlin ist es so, dass das zweite Schulhalbjahr für die Schüler der Sek II schon nach den Weihnachtsferien, für die kleines aber erst nach den Winterferien beginnt. Dementsprechend musste ich ein Thema für Q2 wählen, da es sonst nicht Lehrplankonform gewesen wäre.

Seid ihr euch da sicher, dann überprüft welche Kompetenzen es in dem Fach gibt, ob ihr sie mit eurer Stunde wirklich (und nur diese eine Kompetenz) fördert und ob ihr den richtigen Standard für euer jeweiliges Vorgehen gewählt habt. Das ist Erbsenzählerei und ganz ehrlich, im normalen Alltagsunterricht vermische ich Kompetenzen auch mal oder fördere mehr als einen Standard; in eurer Prüfungsstunde solltet ihr aber doppelt genau sein.

Und wenn das klar ist, dann seid noch pedantischer bei der Planung der Stunde: Habt ihr wirklich genug Zeit für den Ablauf eingeplant? Sichert ihr eure Ergebnisse wirklich so, dass alle Schüler etwas mitnehmen konnten. Müsst ihr die Tische vorher umstellen und habt ihr daran gedacht, den Raum, den Beamer, die Sporthalle etc. zu sichern? Könnt ihr abdunkeln, falls nötig? Arbeiten Kinder zusammen, bei denen es funktioniert oder müsst ihr damit rechnen, dass Chaos ausbricht? Habt ihr noch genug Papierkontingent und wann hat der Copyshop in eurer Nähe auf? Das solltet ihr alles vorher klären.

 

Hintertürchen offen halten

Ist die Stunde fertig geplant und alles aufgeschrieben, kann man erst einmal durchatmen. Aber dann geht das Gedankenkarussel von vorne los und ihr solltet auf Probleme einerseits und Fragen andererseits vorbereitet sein und dies im Vorfeld durchdacht haben.

Ernstfall Nummer 1 ist der Klassiker: Es sind genau 20 Schüler in der Klasse, und ihr wollt eine Gruppenarbeit mit 5 Gruppen á 4 Schülern machen und habt euch sogar überlegt, wer mit wem am besten zusammenarbeiten kann. Und dann, am Tag der Prüfung, sind 5 Kinder krank. Was tun? Ich habe mir einen Zettel gemacht, auf dem ich aufgeschrieben habe, wie ich die Gruppen anordne, wenn ein, zwei, drei, vier usw. Schüler fehlen. Das macht eine Menge Arbeit im Vorfeld, hat sich letztlich in meinem Fall aber als sehr dankbar erwiesen.

Dann kann Technik IMMER genau dann den Geist aufgeben, wenn ihr sie am dringensten braucht. Deshalb habt für diesen Fall eine Alternative in der Hinterhand: Druckt eure PPP- Folien auf haptische Folien und nutzt ggf. den OH-Projektor oder druckt es auf Papier, so dass dann im Fall der Fälle immer zwei Schüler draufschauen können. Stellt sicher, dass die Sicherung bzw. der Transfer auch ohne Technik klappen kann und habt eine Alternative dafür.

Habt Materialien parat, zur Not lieber 5 Mal zu viel als ein Mal zu wenig: Wollt ihr die Schüler etwas ausschneiden lassen und habt x-Mal angesagt, dass sie Schere und Kleber dabei haben sollen? Packt lieber Ersatz ein. Geht gerade eine Erkältungswelle um? Dann habt lieber eine Packung Taschentücher zu viel dabei, als das die Kinder fünf Mitschüler nach einem Taschentuch fragen müssen. Gleiches gilt für Papier, Patronen, Kreide etc. Klar, das klingt super übertrieben, aber ihr werdet in der Prüfungssituation so gestresst sein, dass einen solche Kleinigkeiten total aus dem Konzept bringen könnten. Und welcher Prüfer ist nicht beeindruckt, wenn man auf alles vorbereitet ist?

Und, überlegt euch erstens einen Notausstieg, falls eure geplante Stundenverlaufsplanung aus welchen Gründen auch immer nicht klappen sollte, und zweitens alternative Vorschläge zu dem, was ihr gemacht habt. Garantiert wird euch einer der Prüfer fragen, was man hätte anders machen können oder wo es Verbesserungspotenzial gäbe. Fängt man dann erst an zu überlegen, macht das keinen guten Eindruck. Kann man aber sagen – päm, päm, päm – „Ich habe mich dazu entschieden ein Gruppenpuzzle zu machen, obwohl man hier auch eine Partnerarbeit oder Think-Pair-Share (Methodenfachbegriffe kommen immer gut an) hätte machen können, habe mich aber aus diesem und jenen Grund dagegen entschieden.“, werden die Prüfer sicherlich positiv überrascht sein.

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Verschicken

Schickt euren Entwurf an mehrere Leute, die einen unterschiedlichen Blickwinkel darauf haben. Die Vielfalt und unterschiedlichen Tipps und Verbesserungsvorschläge können verwirren, werden euch aber ganz sicher auch sehr viel weiterhelfen. Schickt es an Mitreferendare aus euren Seminaren, die das gleiche Fach haben, oder die besonders begabt in Rechtschreibung und Ausdruck sind. Die werden einen jungen, frischen Blick haben und wissen, was die Prüfer wollen. Schickt es an nette, ältere Kollegen, die schon jahrelang unterrichten und wissen, was funktionieren kann und wo man noch was verändern müsste und schickt es an Kollegen, die vielleicht sogar selber Fachseminarleiter für ein Fach sind, und einen weiteren Blickwinkel hinzufügen können. In meinem Fall sind den Leuten unterschiedlichste Sachen aufgefallen, die mir alle sehr geholfen haben.

 

Und dann? Ausdrucken. Stunde halten. Examen bestehen.


Ich wünsche euch ganz viel Glück!

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