Reisen

48 HOURS IN RIGA | TRAVEL GUIDE

21. März 2018

RIGA?!

Wenn ich ehrlich bin, stand Riga nie auf meiner Liste der Ziele, an die ich gerne reisen möchte. Ich hatte gar keine wirkliche Vorstellung von Lettland und seiner Hauptstadt und habe nie darüber nachgedacht, hier meinen Urlaub zu verbringen. Aber da ich zur Zeit des Buchens ziemlich auf mein Geld achten musste und trotzdem gerne ein paar Tage wegfliegen wollte, ploppte bei meiner Suche immer wieder Riga auf. Also warum eigentlich nicht? Klingt spannend, kann toll werden. Flüge wurden gebucht (von Berlin nach Riga in den Herbstferien für nur 70€ Hin- und Rückflug), ein zentrales AirBnB gesucht – man will seine wertvolle Zeit ja nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln verbringen – und bezahlt. Kurze Zeit später landeten wir auch schon am Flughafen von Riga und nahmen ein Taxi in die Innenstadt.

Da wir gute Flugzeiten hatten, konnten wir die Zeit optimal zum Sightseeing und Essen nutzen und haben sämtliche Sehenswürdigkeiten in Riga gesehen, das lettische Lebensgefühl näher kennengelernt, lecker lettische Küche ausprobiert und uns ein großes bisschen in die Stadt verliebt.

DAY 1

Nimm den Bus

Das erste, was ich auf jeder Städtereise mache ist mir einen Überblick über die Stadt zu verschaffen. Es muss nicht unbedingt einer der überteuerten Hop-in-Hop-off-Touri-Busse sein, aber in diesem Fall haben wir einen genommen und es nicht bereut. Der Bus fuhr DIREKT vor unserem AirBnB an der St. Peters Church ab und von dort eine Stunde lang durch Riga. Der Busfahrer – wir waren die einzigen Gäste – erzählte uns viele kleine Anekdoten auf Deutsch und gab hilfreiche Tipps. Das half, im Kopf schon Wege und Pläne vorzufertigen und strukturierte unsere Tage in Riga vor.

 

Spaziere durch die Altstadt

Riga ist toll zum Spazieren. An jeder Ecke der Stadt stehen Häuser, die süßer und malerischer sind, als die vorherigen. Ich habe unendlich viele Fotos von Fassaden, geschmückten Fenstern und Türen und Straßen gemacht. Also lasst euch treiben, wenn ihr durch die Altstadt lauft, schaut in Hinterhöfe und lasst den Blick auch mal nach oben schweifen. Unseren etwa vierstündigen Spaziergang haben wir wieder an der St. Peters Church gestartet, vorbei an den Bremer Stadtmusikanten hin zum Rathausplatz. Dort steht das wunderschöne Schwarzhäupterhaus, das zwar im Zweiten Weltkrieg zerstört, in den 1990er Jahren aber wieder aufgebaut wurde. Als wir dort waren, wurde gerade gebaut, trotzdem büßte der Platz nichts von seiner Schönheit aus.

Nur wenige Meter entfernt steht das Museum of Occupation of Latvia, das von der Unterdrücken der Letten durch die Deutschen und Sowjets erzählt.

Wir spazierten weiter durch die Altstadt zum Katzenhaus. Wer in Riga in den Souvenirläden ist, sieht überall Katzen. Hier erklärt sich, woher das kommt: Auf dem Dach des Katzenhauses, einem ehemaligen Kaufmannshauses, der von den Gildeleuten abgelehnt wurde, sitzen Katzenfiguren. Der wütende Kaufmann hatte diese einst auf seinem Dach – das Hinterheil seinen Widersachern zugewandt – anbringen lassen. Diese Respektlosigkeit kam ihn jedoch teuer zu stehen, landete vor Gericht – der Kaufmann verlor –  und heute schauen die Kätzchen wieder ganz brav zu den Touristen und einheimischen herunter.

Ein kleiner Abstecher führt uns zur Dreifaltigkeitskathedrale, die die größte Orgel Lettlands beherbergt und wunderschön anzusehen ist. Wer ohnehin gerne in Kirchen geht, wird von dem Inneren begeistert sein, mir gefiel aber vor allem der Innenhof. Dort kann man mal Luft holen und sich vom Stadtalltag entfernen.

 

Entspannen im Kalpalka Park

Lässt man sich weiter durch die engen Gassen der Stadt treiben, landet man kurz darauf an einem der meistfotografierten Orte der Stadt: Den sogenannten Drei Brüdern, einem Gebäudeensemble alter Handelshäuser unterschiedlicher Epochen und in wunderschönen Pastellfarben. In eines der Häuser kann man hineingehen, um sich eine kostenlose Ausstellung zu architektonischen Projekten anzuschauen. Kann man machen, muss man nicht unbedingt. Stattdessen kann man die Zeit lieber nutzen, um zum Kalpalka–Park zu laufen. Dieser kleine zentrale Park ist wunderschön und eine wahre Oase um einmal durchzuatmen. Hier gibt es verschlungene Wege, genug Bänke um ein wenig die Seele baumeln zu lassen, eine mit Schlössern vollbehange kleine Brücke und viel, viel Grün. Nach einem kleinen Zwischenstopp auf der „Spitze“ des Basteiberges (eher ein Hügel), geht es wieder hinunter zum Kanal, der durch den Park fließt und zum Freiheitsdenkmal.

Das Freiheitsdenkmal ist ein Muss auf jedem Reiseplan in Riga. Allerdings kann man das 42m hohe und im Stadtzentrum gelegene Monument auch kaum verfehlen. Es wurde zu Ehren der lettischen Souveränität gebaut und birgt ein kleines aber feines Geheimnis. Die Figur auf der Spitze, stellvertretend für die Freiheit, schaut nach Westen, währen die geknechteten und unglücken Figuren alle nach Osten – dem lettischen Unterdrücker Russland – schauen.

 

Laima-Schokolade probieren und / oder Kaffee trinken im Apsara Tea House

Zeit für eine kleine Stärkung nach der ganzen Spaziererei? Dann probiert unbedingt die Laima – Schokolade. Ein Shop befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Freiheitsdenkmal und zur bekannten Laima-Uhr. Dort bekommt ihr alle Leckererein, angefangen bei kleinen, einzeln verpackten Süßigkeiten, bis hin zu Schokoladentafeln und großen Boxen. Einmal alles zum mitnehmen bitte. Die Preise sind für die Qualität der Schokolade mehr als fair und das Angebot an besonderen Schokohighlights ist groß. Wer jetzt noch nicht genug genascht hat, gönnt sich einen Kakao (besser als der Kaffee) und ein leckeres Gebäckstück im Apsara Tea House. Das Café ist ein zweistöckiger Pavillion der besonderen Art. Im Erdgeschoss stehen Tische und die Selbstbedienungstheke des Cafés. Im zweiten Stock aber, um die Treppe herum, sind Kissen und Teppiche im Rondell ausgebreitet, auf denen man seinen Kaffee im Schneidersitz sitzend oder in den Kissen lümmelnd trinken kann. Sehr gemütlich, sehr hip, sehr lecker.

 

Sich im Jugendstilviertel verlieben

Nach der Stärkung kann es weitergehen. Das Jugendstilviertel war mein absolutes Highlight in Riga und hat letztendlich dafür gesorgt, dass ich mich absolut in diese Stadt verliebt habe. Vor allem die Alberta Iela ist bekannt für ihre wunderschönen Häuser: Gelb, blau, rosa, mit oder ohne Stuck, mit mythischen Figuren oder riesigen Eingangstüren. Für jeden Geschmack ist etwas dabei und ich habe während des ganzen Spaziergangs eine Liste erstellt, welches der Häuser ich zuerst kaufen wollen würde. Die Häuser sind natürlich hauptsächlich privat bewohnt oder werden gewerblich benutzt, so dass man sie nicht von innen besichtigen kann. Aber dafür kann man in das Jugendstilmuseum gehen. Die Museumsangestellten begrüßen einen in traditioneller Kleidung und begegnen einem auf dem Weg durch das Museum immer wieder bei typischen Alltagshandlungen. Die ausgestellten Räume wurden originalgetreu und liebevoll eingerichtet und machen es leicht, sich vorzustellen, wie das Leben in dieser Wohnung ausgesehen haben könnte.

 

Lettisch Essen im Lido

Inzwischen hat man nach seinem Spaziergang durch die Stadt so einige Kilometer zurück gelegt und Hunger. Höchste Zeit also die lettische Küche auszuprobieren. Riga bietet eine Vielzahl an Restaurants, die stylischer, schöner und – ja oft auch – langweiliger nicht sein könnten. Klar kann man lecker Sushi, Burger oder Pizza essen gehen, und die Preise im Zentrum Rigas unterscheiden sich von denen in Berlin auch nur unwesentlich. Wir aber wollten „die echte lettische Küche“ und dort essen, wo die Einheimisches essen gehen. Der beste (und mit Sicherheit auch günstigste) Anlaufspunkt dafür ist das Lido, eine Kette, die mehrere Filialen in Riga hat. Eingerichtet wie eine Bauernstube auf dem Land, mit Kellnerinnen in traditioneller Tracht, gibt es ALLES was das Herz begehrt. Am Selbstbedienungsbuffett (ähnlich wie bei Ikea) wird das Essen ausgegeben, das man sich nach Lust und Laune zusammenstellen kann. Der Großteil ist deftige Hausmannskost, für uns genau das richtige nach einem Tag an der frischen Luft. Für ein Tablett mit Getränk (lettischem Bier), Hauptgericht, kleinem Salat und Nachspeise haben wir pro Person nur ca. 12€ bezahlt. UNSCHLAGBAR und wahnsinnig lecker. Die Portionen sind fast schon etwas zu groß, aber immerhin wird man auf jeden Fall satt.

 

Zum Abend einen Absacker: Black Balsam trinken

Black Balsam ist DER Schnaps der Letten. Man kann ihn quasi in jedem Supermarkt, Souvenirladen und den externen Alkoholläden kaufen. Die Sorten variieren, wir aber haben das Original probiert. Es ist ein zähflüssiger, schwarzer Kräuterschnaps mit einem Alkoholgehalt von 45 Promill. Gewöhnungsbedürftig für meinen süßen Gaumen, aber bei allen Liebhabern von Kräuterschnaps kam er hier in Deutschland sehr gut an. Man kann ihn pur – so wie wir – oder verdünnt mit Cola, Red Bull oder auch Kaffee trinken.

 

Riga by night: Kipsala als Ausgangspunkt

Den Abens ausklingen ließen wir in Kipsala. Man läuft immer entlang der Daugava, vorbei am Kristaps-Denkmal, direkt am Ufer des Flusses. Der Legende nach trug der Riese Kristaps (Christopherus) das Jesuskind über den Fluss der Daugava, obwohl er bereits bei der Hälfte des Flusses mit seinen Kräften am Ende war, ehe am anderen Ufer zusammenbrach. Über die Vansu-Brücke erreicht man die Halbinsel. Von dort hat man bei Nacht und in der Dämmerung einen wunderschönen Blick auf die beleuchtete Altstadt und kann tolle Fotos schießen. Kipsala selbst besticht durch seine typisch lettischen Holzhäuser, die hier – teuer verkauft – liebevoll und ursprünglich renoviert worden sind. Der Weg besteht aus Kopfsteinpflaster, es begegnet einem kaum eine Menschenseele und mit dem tollen Blick auf den Hafen linksseitig, ist es der perfekte Tagesabschluss.

DAY 2

Frühstücken auf die lettische Art: Central Markt

Zum Frühsück haben wir uns ganz bewusst gegen ein typisches Restaurant oder Café entschieden: Pancakes oder Brötchen bekommen wir auch in Deutschland. Wir wollten es ganz typisch und sind deshalb direkt morgens nach dem Aufstehen in die Hallen des Central Marktes gegangen. Direkt am Bahnhof liegen die großen Zeppelinhallen, in denen man alles von Fisch, Fleisch und Käse über Obst und Gemüse bis hin zu Süßwaren und Gebäck kaufen kann. Die Gerüche sind gewöhnungsbedürftig und die manchmal noch ziemlich blutigen Fleisch- und Fischteile in den Theken nichts für zartbesaitete Personen, aber das Angebot toppt alles. Wir haben uns typisch lettisches Kümmelbrot gekauft, dazu deftige Wurst, Kümmelkäse und ein paar Sprotten gekauft und dazu noch süße Gebäckteilchen, gefüllt mit Aprikosen- oder Pflaumenmus. Köstlich! Und ganz bestimmt die beste Art, den Tag zu starten.

 

 

Ein Ausblick von der Akademie der Wissenschaften

Als nächstes liefen wir zu dem nah angrenzenden Akademie der Wissenschaft, von der man einen tollen Blick IN die Altstadt und über ganz Riga hat (im Gegensatz zum Blick vom Turm der St. Peters Church). Für 5€ kommt man mit dem Fahrstuhl auf die Aussichtsplattform und kann – wenn das Wetter es zulässt – kilometerweit gucken. Dieser Ausblick lohnt sich total, und obwohl es vormittags mitten in der Ferienzeit war, waren wir dort oben die einzigen Besucher.

 

Was man sich sparen kann: Moskauer Vorstadt und Rigaer-Ghetto Museum

Direkt an die Akademie grenzt die Moskauer Vorstadt an, die ich unbedingt sehen wollte. Typische Holzhäuser soll man hier sehen können, die noch nicht luxusrenoviert wurden. Was man aber tatsächlich sieht sind baufällige Häuser, ohne jeglichen Charme. Auch vom Rigaer Ghetto – Museum war ich sehr enttäuscht, obwohl ich SEHR interessiert an Geschichte bin. Leider ist kaum etwas erhalten geblieben und das Museum – kostenfrei im übrigen – zeigt zwar viele Informationen zur Geschichte der lettisch-jüdischen Bevölkerung, jedoch kaum spezielle Exponate zu Riga.

 

Stattdessen: KGB – Musem

Das KGB- Museum stand ganz weit oben auf meiner To-See-Liste für Riga. Von dem Freiheitsdenkmal ist es etwa ein 20-30minütiger Spaziergang in die Neustadt Rigas, vorbei an Geschäften, Tankstellen und Bistros. Ohne Adresse findet man das Museum auch kaum, da es sehr unscheinbar in einem Haus verborgen ist. Wir hatten Glück, denn die nächste Führung sollte in 15 Minuten starten: Genug Zeit also, das kostenfreie Museum anzuschauen. Nur die Führung durch das Gefängnis selbst kostet Geld, lohnt sich aber sehr. Man sieht die Zellen, den Hof, erfährt grausige Details über die Gefangenschaft und Methoden und wird entlassen, nach einem Blick auf den Ort der Hinrichtung. Sehr eindrucksvoll und furchtbar erschreckend.

 

Pelmeni essen

Kein Riga – Urlaub ohne Pelmeni. Die gefüllten Teigtaschen isst man mit saurer Sahne, eingelegten Gurken oder einfach pur. Wir entschlossen uns im Pelmeni XL den Tag in Riga zu beenden und wurden nicht enttäuscht. Obwohl die Einrichtung sehr an bekannte Schnellrestaurants erinnert und das Mobiliar seine besten Zeiten hinter sich hat, war das Essen sehr gut. Man wird für unglaublich wenig Geld satt und kann sich durchprobieren. Also lasst euch nicht von dem mitgenommenen und etwas schäbig wirkenden Aussehen des Restaurants abhalten und probiert das leckere Essen.


 

Wart ihr schon mal in Riga? Was waren eure Highlights?

48 hours in Riga 2 Tage in Riga Weekend Trip Riga

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