Unterrichten

HOW TO: EIN ARBEITSBLATT ERSTELLEN

7. April 2018
Arbeitsblatt erstellen
Ein Arbeitsblatt erstellen – ist das noch zeitgemäß?

Arbeitsblätter sind veraltet und reine Papierverschwendung? Mag sein, aber oft ist es notwendig, sich seine eigenen Arbeitsblätter zu erstellen. Die Informationen und Aufgaben, die die Schüler in ihren Arbeitsheften (wenn es denn welche gibt) und Büchern finden, sind oft dann doch gar nicht mal so passend für die eigene Unterrichtsstunde. Deshalb ist es für mich oft wichtig zu wissen, wie ich ein Arbeitsblatt erstellen kann und passe so den Unterricht, Aufgaben und Materialauswahl genau an das an, was ich in meiner Stunde haben möchte. In diesem Post zeige ich euch, worauf es ankommt, wenn ihr ein Arbeitsblatt erstellen wollt.

Kleiner Hinweis: Meine Schüler sind zwischen 11 und 19 Jahre alt und besuchen die 7. Bis 13. Klasse. Für Grundschullehrer kann die Aufarbeitung beim Arbeitsblatt erstellen ähnlich oder ganz anders sein, damit habe ich mich aber bisher nie befasst.

  1. Die Kopfzeile

Für einige mag die Kopfzeile unnötige Spielerei sein und sinnloser Schmuck (zumindest habe ich das immer wieder im Studium und Referendariat gehört), ich persönlich glaube aber, dass die Kopfzeile für euch selbst und für die Schüler nützlich ist.

Der Übersichtlichkeit halber lege ich die Kopfzeile immer in Form einer Tabelle an, bestehend aus einer Zeile und fünf bis sechs Spalten.

Name des Lehrers Fach und Klassenstufe Thema und Leitfrage der Stunde Datum: Symbol der Einheit
Frau Pastel Geschichte Kl. 8

Die Reformation

– Spaltung oder Erneuerung des Glaubens? –

Datum:
  1. Der Name des Lehrers: Einerseits hilft es euch in einem kleinen Maße davor, dass eure Arbeitsblätter einfach kopiert und verteilt werden. Ihr habt euch die Mühe gemacht, und 20 weitere Kollegen nutzen das Arbeitsblatt die nächsten fünf Jahre lang, ohne sich zu bedanken. Kann passieren, muss nicht, und natürlich kann die Kopfzeile auch einfach abgeschnitten werden. Aber ein wenig Sicherheit gibt es euch. Zum anderen kann es natürlich passieren, dass ihr – so wie ich – Fächer habt, in denen ihr die Schüler ggf. nur einmal pro Woche seht. Vor allem wenn ihr neu seid, werden die Schüler ständig euren Namen vergessen und so steht er für alle lesbar oben auf dem Blatt.
  2. Fach und Klassenstufe: Hilft euch, das Arbeitsblatt in euren Unterlagen und Ordnern schnell einzusortieren und wiederzufinden und den Schülern auch in späteren Schuljahren den Überblick zu behalten.
  3. Thema und Leitfrage: Definiert klar vor, worum es in der heutigen Stunde bzw. auf besagtem Arbeitsblatt gehen soll und macht das Stundenziel – die Beantwortung der Leitfrage mithilfe der neugewonnenen Informationen – für alle transparent. Die Schüler können sich bereits während der Erarbeitung Argumente überlegen und werden zum Stundenende in der Sicherung und dem Transfer nicht überrascht mit einer plötzlichen Problemfrage.
  4. Datum: Ist selbsterklärend. Hilft den Schülern und euch selbst die Reihenfolge der erhaltenen Arbeitsblätter einzuhalten.
  5. Symbol der Einheit: Ist eine Spielerei, die ich sehr gerne mache. Ich gebe jeder Unterrichtseinheit (also z.B. „Die Reformation“, „Der Klimawandel“, „Regeln und Strafen“ etc.) ein eigenes Symbol, an dem die Schüler erkennen können, welche Arbeitsblätter zusammengehören. Im Internet findet ihr viele Seiten mit lizenzfreien, kostenlosen Icons und Bildern, bei denen ein Bildnachweis nicht benötigt wird.
  6. Bei Gruppenarbeiten füge ich noch eine weitere Spalte mit der Bezeichnung der Gruppe (A, B, C, etc.) oder verschiedene Sternchen zur Differenzierung ein.

Ein Arbeitsblatt erstellen - So geht es

  1. Die Aufgaben

Ganz oben auf ein Arbeitsblatt, noch vor dem Text, Bildern, Grafiken etc. setze ich die Aufgabenstellung. Diese unterlege ich farbig (so dass sie am s/w – Drucker entsprechend hervorgehoben werden) oder ziehe einen Rahmen um sie, damit sie sich von den restlichen Texten abheben.

In den Klassenstufen 7 – 10 duze ich meine Schüler auf dem Arbeitsblatt, während ich die Schüler der Abiturstufe sieze. Im Unterricht verwende ich immer das Du, aber auf den Arbeitsblättern wahre ich die Form.

Beachtet bei den Aufgabenstellungen immer die Operatoren eures jeweiligen Faches. Das sind Verben, die klar handlungsorientierte Arbeitsaufträge zum Lösen der Aufgabe vorgeben. Klar, in der Umgangssprache würde man wahrscheinlich Sätze sagen wie „Lest bitte den Text und notiert euch alles wichtige zum Thema XY.“, in den Aufgaben sollen aber die Operatoren eingeübt werden und so formuliere ich die Aufgaben eben entsprechend: „Nenne, erläutere, bewerte,…“.

Wichtig ist, dass möglichst alle Anforderungsbereiche in euren Aufgabenstellungen abgedeckt werden: Anforderungsbereich 1 umfasst das Wiedergeben von Sachverhalten, also die Reproduktion, Anforderungsbereich 2 das selbstständige Erklären, Bearbeiten und Ordnen bekannter Inhalte und das angemessene Anwenden gelernter Inhalte, also die Reorganisation, und der dritte Anforderungsbereich den reflexiven Umgang mit neuen Problemstellungen, also Reflexion.

Hinter jede Aufgabenstellung schreibe ich noch die Sozialform, die Art der Bearbeitung und die dafür zur Verfügung stehenden Zeit. Je nach Klassenstufe schreibe ich es aus, also zum Beispiel: „Beschreibe Luthers Werdegang (M1 und Q1) in eigenen Worten. [EA] [schriftl./Sätze] [10‘]. In den unteren Klassen verwende ich dafür Symbole. EA steht für Einzelarbeit, PA für Partnerarbeit und GA für Gruppenarbeit. Auch die Art, also schriftlich (Stichpunkte oder Sätze) oder mündlich schreibe ich dazu. Das beugt ständigem Nachfragen vor und macht die Erarbeitung transparent.

Aufgaben:

  1. Lies den Text. [EA] [3‘]
  2. Beschreibe den Ausbruch der Cholera bis zu John Snows Durchbruch in eigenen Worten. [EA] [schriftl./ Sätze] [11‘]
  3. Erkläre inwiefern John Snows Vorgehen auch noch heute funktionieren würde. [PA] [mdl.] [3‘]
  4. Diskutiert in 3er- Gruppen, ob John Snow den Nobelpreis für Medizin für seine epidemiologischen Forschung hätte erhalten sollen, hätte es ihn zu seiner Zeit schon gegeben. [GA] [mdl.] [8‘]
  1. Aufbau des Arbeitsblattes

Unter die Aufgaben kommen dann Texte, Grafiken, Bilder, Quellen, Statistiken etc. Je nachdem, was für eure Thematik und euer Fach wichtig ist. Ich achte darauf, dass in der Mittelstufe Text und Bildmaterial in einem ausgewogenen Verhältnis stehen und die Kinder nicht mit zu viel Text erschlagen werden. Oft füge ich auch auf sehr textlastigen Arbeitsblättern Bilder zur gestalterischen Unterstützung ein, ohne dass diese in den Aufgaben Berücksichtigung finden.

Jeden Text versehe ich mit einer Überschrift, vor die ich die Kennzeichnung M1, M2 etc. (M für Material) versehe. Gleiches gilt für Quellen (Q) und Abbildungen und Grafiken (Abb.). Darauf beziehe ich mich in den Aufgabenstellungen. Verschiedenartige Quellen, also zum Beispiel einen Darstellungstext und eine Quelle unterlege ich farblich unterschiedlich bzw. ziehe einen Rahmen, damit die Schüler sich leichter zurecht finden.

Wichtig ist mir zudem, dass die Texte Zeilennummern haben, um direkt auf die Texte Bezug nehmen zu können bzw. mit den Schülern das Zitieren zu üben. Bei Word kann das manchmal ziemlich knifflig sein, so dass ich oft die Zeilennummern händisch nach dem Ausdrucken hinzufüge. Alle Textmaterialien bekommen dabei selbstverständlich ihre eigenen Zeilennummern.

Achtet unbedingt darauf, dass ihr eure Quellen auf dem Arbeitsblatt angebt. Ich drucke sie unter Texte und Bilder meistens in Schriftgröße 6 oder 8 nach den jeweiligen Zitierregeln für Bilder, Internetquellen, Quellen aus Literatur oder Zeitschriften. Die Kinder interessiert es ohnehin nicht und ihr seid auf der rechtlich sicheren Seite.

  1. Sprachbildung

Spätestens seit ich von einem Gymnasium auf eine Gesamtschule (in Berlin ISS genannt) gewechselt bin, an der es viele Kinder mit Migrationshintergrund und/oder schlechter sprachlicher Vorbildung gibt, habe ich mir angewöhnt bei JEDEM Arbeitsblatt ein Kästchen für die Sprachbildung in den Fußnoten anzulegen.

Dort erkläre ich voraussichtlich unbekannte Worte kurz genauer und nenne Artikel und Wortform dazu. Zum Teil bekommen die Schüler von mir auch unterschiedliche Arbeitsblätter, je nach Leistungs- und Sprachniveau. Das kann dann zum Beispiel so aussehen:

[1][der] Pionier (Nomen): eine Person, die einen wichtigen Beitrag zu den Anfängen einer Entwicklung mitbestimmt hat.

[1]melancholisch (Adjektiv): ein anderes Wort für traurig, betrübt.

Ein Arbeitsblatt erstellen - So geht es

  1. Differenzierung

Ihr kennt das: In jeder Klasse gibt es ein paar Schüler, die besonders schnell und leistungsstark sind und ein paar Schüler, die mehr Hilfe brauchen. Unabhängig davon welche Arten von Differenzierung es gibt, könnt ihr bereits auf einem Arbeitsblatt differenzieren.

Einerseits könnt ihr Unterschiede in der besagten Sprachbox in den Fußnoten machen. Vielleicht gibt es Schüler, die gerade aus Willkommensklassen kommen. Die bekommen eine größere Sprachbox von mir, während besonders gute Schüler nur wirkliche Fachbegriffe erklärt bekommen.

Oder ihr hebt bei leistungsschwächeren Schülern schon in den Texten besonders wichtige Passagen oder Worte optisch hervor: Zum Beispiel könnte man Jahreszahlen und das dazugehörige Ereignis fett drucken, wenn die Schüler ohnehin den Verlauf in eigenen Worten wiedergeben und nicht nur abschreiben sollen. Kürzen könnte man die Texte natürlich auch, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch die leistungsschwachen Schüler keine „Sonderbehandlung“ durch besonders kurze Texte haben wollen. Dann differenziert lieber so, dass es unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlich schweren Texten gibt. Geheime Differenzierung sozusagen.

Aber auch die leistungsstarken Schüler können schon mit eurem Arbeitsblatt gefördert werden. Schreibt für alle Schüler eine „Aufgabe für Schnelle“ an den unteren Rand des Arbeitsblattes, die optional bearbeitet werden kann. Oder druckt ein Rätsel, einen Lückentext etc. mit auf das Arbeitsblatt, das als Zusatzaufgabe bearbeitet werden kann.

  1. Ausdrucken und starten

Und wenn das alles fertig ist, drucke ich das Blatt zwei Mal aus – eins als Kopiervorlage und eines mit den entsprechenden Lösungen – jage es der Schülerzahl entsprechend durch den Kopierer und bin fertig.

Wie fertigt ihr Arbeitsblätter an? Habt ihr Ergänzungen?

You Might Also Like

8 Comments

  • Reply GräfinZahl 7. April 2018 at 09:54

    Die Arbeitsblätter, die ich von meinen Lehrern bekommen habe, hatten nie Kopfzeilen :’D
    Dabei ist es eigentlich nicht viel Arbeit und nach dem was du schreibst, kommst du deinen Schülern damit sehr entgegen. Ich finde es schön wie engagiert du bist und hoffe, du verlierst nie den Elan. Deine Schüler können sich wirklich glücklich schätzen 🙂

    • Reply ANNI PASTEL 8. April 2018 at 17:29

      Ich hoffe auch, dass ich den Job nicht irgendwann als Last empfinde. Im Moment macht es einfach unglaublich viel Spaß 🙂

  • Reply Der Lehrer 7. April 2018 at 17:06

    Ich würde die Kopfzeile immer anders machen:

    Lehrerkürzel/Fach/Klasse Thema Datum
    Pa/Geo/6b Die Plattentektonik

    • Reply Yuhu 16. Mai 2018 at 18:53

      Ich bin auch ein Fan davon
      Kürzel/Fach/Datum Thema Datum
      Pa/Ge/8b Die französische Revolution 23.05.2018

      • Reply ANNI PASTEL 17. Mai 2018 at 08:57

        Ja, das gefällt mir auch 🙂

  • Reply ANNI PASTEL 8. April 2018 at 17:30

    So hat so jeder seine Vorlieben 🙂

  • Reply Kerstin 9. April 2018 at 11:09

    Das mit der Kopfzeile finde ich mega, hat bisher noch niemand hier als Tipp gegeben 🙂
    Das hört sich alles nach viel Arbeit an, aber erspart eigentlich viele Nachfragen.
    LG Kerstin

    • Reply ANNI PASTEL 15. April 2018 at 20:32

      Jaa und auf lange Sicht ist es einfach auch total hilfreich 🙂

    Leave a Reply

    *