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2 TAGE IN BRESLAU | TRAVEL GUIDE

11. Mai 2018

Breslau ist ein echter Geheimtipp. Dabei ist man in nur vier Stunden mit dem Auto von Berlin in der viert größten Stadt Polens. Noch steht Breslau im Schatten seiner großen Schwester Krakau, aber Dank der unzähligen Bilder von Breslaus beinahe schon kitschigschönem Altmarkt wird die Hauptstadt Niederschlesiens immer beliebter. Ich muss zugeben, auch für mich war es ein „Pinterest – Ziel“. Die Bilder haben mir so gut gefallen, dass wir kurzerhand beschlossen haben 2 Tage in Breslau zu verbringen.

Anreise nach Breslau

Wir haben uns für die bequemste Variante entschieden und sind einfach mit dem eigenen Auto angereist. Von Berlin sind es etwa 350km – also gute 4 – 4,5 Stunden – bis nach Breslau. Solange man noch auf deutschen Autobahnen unterwegs ist, ist es angenehm zu fahren, allerdings wird die Autobahn schlagartig zur Schlaglochpiste sobald man die Grenze hinter sich gelassen hat. Das bedeutet langsam fahren. Ohnehin solltet ihr euch in Polen immer ziemlich penibel an die Geschwindigkeitsbegrenzungen (50km/h in Ortschaften, 90 km/h auf der Landstraße und 140 km/h auf der Autobahn) halten und sicherstellen, dass ihr für jeden Fahrgast im Auto eine Warnweste dabei habt. Ansonsten kann es teuer werden. Da der Sprit in Polen hinter der Grenze im Vergleich zu Deutschland sehr billig ist, fuhren wir mit Reservelampe bis an die erste Tankstelle und tankten für 1€ pro Liter das Auto voll. Lohnt sich. Nur die Parksituation sollte man bedenken: Im gesamten Innenstadtgebiet Breslaus ist das Parken von Montag bis Freitag kostenpflichtig (und nicht wirklich günstig). Wir haben unser Auto deshalb etwa 10 Min zu Fuß in einem Wohngebiet geparkt.

Auch Flixbus und Polskibus fahren von vielen deutschen Städten für wenig Geld nach Polen ab. Der Bahnhof liegt etwas außerhalb des Stadtzentrums. Uns hat es nicht betroffen, aber weil ich am Bahnhof etwas kaufen wollte sind wir die Strecke auch mal gelaufen: Innerhalb von 15 Minuten seid ihr vom Bahnhof in der Altstadt. Und auch mit dem Flugzeug und Zug ist Breslau natürlich zu erreichen. Vom Flughafen sind es etwa 12km bis ins Stadtzentrum.

Blick auf die Dominsel Breslau

Blick auf die Dominsel Breslau

Wo schlafen für 2 Tage in Breslau?

Ihr könnt es euch sicherlich denken: Natürlich haben wir – wie immer – ein AirBnB gebucht. Unseres war mit 55€ pro Nacht für Breslauer Verhältnisse ziemlich teuer, was aber klar daran lag, dass wir erst eine Woche vor der Fahrt gebucht hatten. Einige Wochen vorher gab es etliche deutlich schönere und trotzdem günstigere, zentral gelegene AirBnBs. Die Hotelpreise empfand ich als ziemlich hoch, weshalb das für uns wegfiel, zumal wir ohnehin frühstücken gehen wollten und uns deshalb also auch die Frühstücksoption nicht ködern konnte. Meine Favoriten, die leider ausgebucht waren, könnt ihr euch hier, hier und hier ansehen.

Achtet am besten darauf, dass eure Unterkunft wirklich Altstadtnah liegt. Keine 100m hinter dem Stadtzentrum endet das „hübsche“ Breslau und die volle Plattenbautenkeule schlägt ein. Kann sicherlich auch seinen Charme haben, aber wir wollten gerne kurze Wege und die schöne Altstadt nah vor der Tür. Unser AirBnB lag etwa 5 Minuten von der St.-Elisabethkirche und der Oder entfernt.

Wie ist der Plan für 2 Tage in Breslau?

2 Tage in Breslau sind die perfekte Länge, um die Stadt zu erkunden. Ich bin – in Urlauben – eher nicht der Museumstyp, so dass zwei Tage optimal sind, tolle Eindrücke von der Stadt zu sammeln, ohne sich zu langweilen oder hetzen zu müssen. Bleibt man länger, kann man sich die vielen kleinen Museen anschauen, den Zoo besuchen oder viel Zeit in den zahlreichen tollen Cafés und Restaurants verbringen.

Altstadtring und Salzmarkt

Wir kamen gegen Mittag in Breslau an und schlenderten bei strahlendem Sonnenschein und 29°C als erstes in die Altstadt und dem Stare Miastro, dem Altstadtring. Dieser Marktplatz ist einfach Perfektion: Wunderschöne Häuser verschiedener Epochen und in jeder erdenklichen (Pastel-)Farbe umschließen das Rathaus, das ebenfalls absolut wunderschön ist. In den Gebäuden sind Restaurants, Apotheken, eine Bibliothek, die Touristeninfo, Banken und, und, und untergebracht und trotzdem wirkt das ganze nicht plump oder touristisch, sondern so, als müsste es ganz genau so sein. Vor den Häusern, auf dem Marktplatz Rynek, sitzen die Menschen, essen Eis, die Kinder fangen die an jeder Ecke gepusteten Seifenblasen und der Springbrunnen bringt ein bisschen Moderne mit hinein. Natürlich dauert es nicht lange, den Marktplatz zu umrunden, aber wenn man wie wir an jedem zweiten Haus stehen bleibt um Fotos zu machen, kann es sich ganz schön ziehen.

Altstadt und Rathaus Breslau

Altstadt und Rathaus Breslau

Altstadt Breslau

Altstadt Breslau

Seelen baumeln lassen

In das Rathaus selbst sind wir nicht hinein gegangen, obwohl mich der zu besichtigende Gerichtssaal schon interessiert hätte, aber das Sommersonnenwetter hielt uns draußen. Stattdessen flanierten wir durch die Gassen, besichtigten die St.-Elisabethkirche von innen (leider war die gesamte Kirche unter einem Bauzaun verborgen) und bummelten allmählich an der alten Börse über den Salzmarkt in Richtung des Stadtschlosses außerhalb der Altstadt an der Promenada Staromiejska, der Promenade am Stadtgraben. Hier, wo einst die preußischen Hohenzollern residierten, ist heute das Stadtmuseum untergebracht, das wir uns aber nicht angeschaut haben. Stattdessen bewunderten wir das Stadtschloss von außen und ließen uns über den Platz vor dem Konzertsaal treiben, wo Menschen auf Decken liegend lasen, Kinder Rollschuh fuhren und Skater ihre Tricks übten.

Die Promenade am Stadtgraben ist gute 4km lang und umschließt den kompletten südlichen Teil des Stadtzentrums. Da es mittlerweile wirklich heiß geworden war, waren wir für die Schatten der Bäume sehr dankbar und spazierten immer am Wasser entlang, am Gerichtsgebäude vorbei, bis zum Brunnen des Kampfes und Sieges, dem Fontanna Alegoria Walki i Zwycięstwa.

Der Magen knurrte und wir suchten ins in der wunderschönen Abenddämmerung ein Restaurant, in dem typisch polnische Küche serviert wird: Das Kurna Chata.

Gerichtsgebäude Breslau

Gerichtsgebäude Breslau

Stadtgraben Promenade Breslau

Stadtgraben Promenade Breslau

 

Breslau von oben und vom Wasser

Am nächsten Tag, nachdem wir sehr ausgiebig im Central Café (nicht zu verwechseln mit dem Café Central aus meinem Food Guide für Wien) gefrühstückt hatten, spazierten wir bei wieder herrlichem Wetter zur Dom- und Sandinsel. Über die most piaskowy, die Sandbrücke, gelangt man zunächst über die Oder auf die Sandinsel. Damit überquert man Breslaus älteste Brücke und betritt eine andere Welt. Breslau ist nun wirklich keine hektische Stadt und doch hat man das Gefühl, dass mit dem letzten Schritt von der Brücke auf die Insel der Lautstärkepegel sinkt und alle irgendwie ein bisschen gelassener sind. Hier befindet sich neben der Universitätsbibliothek die St. Maria auf dem Sande Kirche, einer der ältesten Kirchen Polens, die der Insel ihren Namen gab. „Leider“ fand zu der Zeit gerade ein Gottesdienst statt, so dass wir uns die Kirche nicht anschauen konnten.

Also betraten wir – die fliegenden Händler hinter und lassend – Breslaus Kuriosität: Die most tumski, die Dombrücke. Sie ist das polnische Pendant zu Kölns Hohenzollernbrücke und über und über mit Schlössern von Liebespaaren behangen. Ich möchte wirklich gerne mal wissen, wie der Grund des Flusses direkt unter der Brücke aussieht, wenn die ganzen Liebenden ihren Schlüssel dorthinein werfen. Vor lauter pinken und blauen und grünen Schlössern, die zum Teil sehr liebevoll mit einem Edding vom Straßenhändler drei Meter weiter vorne beschrieben wurden, sieht man kaum noch die Brüstung. Selbst in schwindelerregender Höhe haben Mutige noch ihre Schlösser befestigt. Angeblich werde die Schlösser ein Mal pro Jahr entfernt, aber so richtig glauben kann ich das nicht, bei dieser unfassbaren Masse an Plastik und Metall.

Blick auf die Dominsel Breslau

Blick auf die Dominsel Breslau

Dombrücke Breslau

Dombrücke Breslau

Liebe so weit das Auge reicht

Auf der anderen Seite der Brücke auf der Dominsel betritt man eine andere Zeit. Die Kathedrale, die dort steht, ist beinahe 100m hoch und kann nicht nur kostenlos besichtigt werden, man kann auch für weniger als 3€ mit dem Fahrstuhl (eine sportlichere Alternative gibt es nicht) auf den Tum hinauffahren und Breslau von oben anschauen. Ein absolutes Muss. In den Gassen rund um die Kathedrale sind wunderschöne Häuser mit noch schöneren Hinterhöfen, die einen vergessen lassen, dass man sich in einer Großstadt befindet. Müsste ich mich entscheiden, wäre die Dominsel auf jeden Fall mein absoluter Lieblingsplatz in Breslau.

 

Dominsel Breslau

Dominsel Breslau

Kathedrale aus der Dominsel Breslau

Kathedrale aus der Dominsel Breslau

Hier kann man auch den Botanischen Garten besuchen, der mit ca. 4€ Eintritt verhältnismäßig teuer ist. Uns reichte der Blick durch den Zaun und ein Blick auf die Uhr um zu entscheiden, dass wir diese Sehenswürdigkeit Breslaus eher auslassen wollen.

Stattdessen wollten wir lieber eine Bootstour über die Oder machen. Etliche Anbieter verschiedener Bootsfirmen bieten Touren für die Touristen an, die sich alle doch ziemlich ähnlich sind. Auf einem der großen Schiffe kann man für etwa 45 Minuten und etwa 7€ pro Person die Oder rauf und wieder runter fahren. Wir wollten es nicht nur etwas privater, sondern auch umweltfreundlicher und entschieden uns für die kaum teurere Solarbootvariante. Dank der netten Dame an der Kasse konnten wir sogar die Fahrt etwas individualisieren und fuhren weder nur die kleine, 30 Minuten lange Runde durch die Altstadt, noch die 60 Minuten lange unter der Kaiserbrücke hindurch bis zum Zoo führende Tour, sondern stiegen in der Nähe des Zoos und der Jahrhunderthalle aus. Breslau wird auch das Venedig des Ostens genannt, wegen der zahlreichen kleinen Brücken, die die Oder überspannen.

Bootstour auf der Oder in Breslau

Bootstour auf der Oder in Breslau

Bootstour auf der Oder in Breslau

Bootstour auf der Oder in Breslau

 

 

Die schönhässliche Jahrhunderthalle

Dort, am Zoo, verließen wir an einer Strandbar das Boot und machten uns auf dem Weg zur berühmten Jahrhunderthalle. Diese aus Stahlbeton gebaute Veranstaltungshalle ist – tut mir leid, wenn ich das so sage – unfassbar hässlich. Wie ein sowjetischer Koloss thront sie mitten im Grün und sieht von keiner Seite schön aus. Trotzdem fasziniert sie mich irgendwie und ich bin froh, dass wir sie uns angeschaut haben.

Direkt vor der Halle liegt der Japanische Garten, Breslaus größte innerstädtische Parkanlage, die man für 1€ besuchen kann. Besonders groß ist die Anlage nicht, aber sehr hübsch gestaltet und man kann herrlich Leute dabei beobachten, wie sie sich für das perfekte Foto zwischen die Blumen legen. Auch einige Brautpaare sahen wir, die dort ihre Hochzeitsfotos schossen. Als letzen Abstecher stand auf meiner Liste nun nur noch ein Besuch der Werkbundsiedlung WUWA. Das ist eine Musterhaussiedlung aus den späten 1920ern, die sich direkt neben der Jahrhunderthalle befindet. Ein ziemlicher Reinfall.

Jahrhunderthalle Breslau

Jahrhunderthalle Breslau

Japanischer Garten Breslau

Japanischer Garten Breslau

 

Mit der Tram ging es zurück in die Altstadt und zum Abendbrot essen ins Restauracja Konspira, wo wir perfekten Gulasch aßen und dann mit müden Füßen ins Bett. Die Ruhe war dringend nötig, denn am nächsten Tag stand nach dem Frühstück im Kwiatowa noch ein letzter Abstecher in die Markthallen in der Nähe der Sandinsel an, wo wir uns mit Essen für die Fahrt eindecken konnten ehe wir ins Eulengebirge fuhren. Aber davon könnt ihr in meinem Blogpost zum Tagesausflug von Breslau lesen.

Markthallen Breslau

Markthallen Breslau

Wie sieht es aus? Hab ich euer Interesse für Breslau geweckt oder wart ihr sogar schon einmal dort und seid genauso verliebt wie ich?

XOXO, Anni

 

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2 Comments

  • Reply Kristina 14. Mai 2018 at 14:24

    Wirklich eine tolle Stadt, nachdem ich letztes Jahr im Passeiertal Hotel gewesen bin. möchte ich dieses Jahr auch mal nach Breslau <3

    • Reply ANNI PASTEL 15. Mai 2018 at 08:29

      Das klingt nach einem sehr guten Plan 🙂

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