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LEHRER HABEN VORMITTAGS RECHT UND NACHMITTAGS FREI | EINE TYPISCHE WOCHE

25. Mai 2018
Lehreralltag
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Es gibt kaum einen Satz, der mich mehr aufregt: Lehrer haben vormittags Recht, und nachmittags frei. Sobald mir jemand diesen Satz an den Kopf wirft, ob scherzhaft oder ernst gemeint, hat er bei mir schon verloren. Denn leider glaubt jeder, weil man ja selbst mal in der Schule war, zu wissen, wie der Job funktioniert. In der Vorstellung vieler wohl so: Früh aufstehen, ein paar Aufgaben aus dem Buch abschreiben lassen, während man am Lehrertisch sitzt und Zeitung liest oder resigniert dem Chaos in der Klasse gegenübersteht. Ständig Pausen zwischen den Stunden. Und dann um 14:00 Uhr Feierabend, den man mit einem Glas Wein auf der Terrasse seines Einfamilienhaus verbringt und sich vor Langeweile kaum halten kann.

Die Realität ist eine andere, und weil ich das Gefühl habe, mal etwas mehr Licht ins Dunkel bringen zu müssen, habe ich euch hier mal eine „typische“ Woche als LehrerIn aufgezeigt. Natürlich gibt es Wochen, die noch viel anstrengender sind, und solche, in denen man mal weniger zu tun hat und auch nicht so viele Veranstaltungen. Aber alles in allem kann man das als eine meiner typischen Wochen ansehen. Meine Hobbys und Treffen mit Freunden habe ich bewusst ausgelassen, weil die bei jedem individuell sind.


Montag

06:45 Uhr – Der Wecker klingelt. Zum Wochenanfang kann ich immer etwas länger schlafen, weil mein Unterricht nicht zur ersten Stunde beginnt. Der erste Blick, wie jeden Morgen, geht auf mein Handy. Wurde etwas am Vertretungsplan geändert? Muss ich schnell aufspringen und zur Schule rasen, oder habe ich genug Zeit um noch in Ruhe zu frühstücken?

08:00 Uhr – Auf zum Bus. Da ich kein eigenes Auto habe, fahre ich an kalten oder regnerischen Tagen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Und stehe zwischen hunderten Schülern und Pendlern.

08:20 Uhr – Ankommen in der Schule. Noch 40 Minuten, bis die erste Stunde losgeht. Könnte schon knapp werden, je nachdem wieviel Andrang im Lehrerzimmer auf den Kopierer ist. Schnell nachsehen, was ich alles kopieren muss: Okay, 30 doppelseitige Arbeitsblätter für die 10. Klasse plus Differenzierungsangebote für leistungsstarke oder leistungsschwache Schüler. Der Kopierer ist nicht schnell, plötzlich das Papier leer. Ruhig bleiben, Papier einlegen, weiter kopieren. Dann alle Arbeitsblätter lochen, was ich regelmäßig vergesse. Noch 15 Minuten. Schnell noch einen Blick auf den ausgehängten Vertretungsplan werfen. Mist, Vertretung in Chemie in der 7. Klasse in der 5./6. Stunde. Chemie! Habe ich selbst abgewählt. Aufgaben wurden nicht zurückgelegt, also heißt es improvisieren. Einen Chemielehrer finden, der mir einen Tipp geben kann oder schnell etwas aus meinen eigenen Fächern vorbereiten.

08:51 Uhr – Schnell zum anderen Lehrerzimmer flitzen, in dem mein Schreibtisch steht, um sämtliche Hefter, Essen und meine Sachen abzulegen, dann ab in das Klassenzimmer der 10. Klasse.

08:55 Uhr – Aufschließen, Arbeitsblätter vorbereiten, Tafelbild anschreiben. Die Schüler trudeln so langsam ein, sagen mir diese oder jene Information („Können Sie mit uns zum Wandertag kommen? Mittwoch? Sie müssten das nur mit Frau XY besprechen?“ – Klar, kein Problem. Kalender auf, eingeschrieben. „Frau Pastel, ich bin nächste Woche zum Unterricht nicht da?!“ – Okay, schnell aufschreiben, bevor ich den Schüler als unentschuldigt melde.)

09:05 UhrGeklingelt hat es schon vor fünf Minuten, aber ehe alle Schüler sitzen, ausgepackt haben und zuhören vergeht die Zeit wie im Flug. Sind überhaupt alle da? Nein, da fehlen mindestens fünf Schüler. Also brauche ich mein Kursheft, schreibe Fehlzettel. Dann kann es losgehen. Die Stunde ist durchgeplant und verläuft in der Regel so, wie ich es geplant habe.

11:45 UhrMittagspause. Aber heute nicht für mich. Denn ich habe Aufsicht im Flur der Schule. Ich könnte mein Brot mitnehmen, aber ständig mit vollem Mund Schüler daran zu erinnern, dass sie sich nicht im Hausflur aufhalten dürfen ist mir zu mühsam. Also lasse ich das Brot im Lehrerzimmer und gehe mit knurrendem Magen zur Aufsicht. Die Schüler versuchen jede Woche, jeden Trick aufs neue um vorbei zu kommen. So wird es wenigstens nicht langweilig.

12:15 Uhr – Vertretungsstunde in Chemie. Die Schüler sind süß, aber auf mysteriöse Weise ist der Sitzplan verschwunden. Na gut, dann dürfen sie sitzen, wie sie möchten. Es ist chaotisch, ich kenne die Namen nicht und die Schüler kennen mich nicht. Aber mit den mitgebrachten Aufgaben bekommen wir die Stunde gut hin, ohne dass jemand den Unterricht verlassen muss.

13:50 Uhr – Montag ist mein kurzer Tag. Feierabend. Noch schnell die Fehlzettel in die Fächer verteilen, den Vertretungsplan für morgen checken, und dann ab nach Hause und an den Schreibtisch. Der Unterricht für morgen muss vorbereitet werden: Das heißt, Stundenverläufe planen, Arbeitsmaterialien erstellen, Powerpoints vorbereiten und Ordner durchsortieren.

18:30 Uhr – Ende. Länger mache ich meistens nicht. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber ich habe für mich festgelegt, dass halb sieben für mich die Zeit ist, zu der ich mit dem Arbeiten aufhöre um noch ein bisschen Freizeit zu haben.

22:00 Uhr – Gute Nacht.

Lehreralltag


Dienstag

06:00 Uhr – Guten Morgen, der Wecker hat geklingelt.

07:30 Uhr – Angekommen in der Schule. Heute habe ich drei verschiedene Klassen in drei verschiedenen Fächern. Das heißt, dass es eine ganze Menge zu kopieren, lochen und sortieren gibt. Ehe alles soweit ist, ist es kurz vor Stundenbeginn und ich greife mir meine Zettel und Kurshefte aus meinem Fach, bringe meine Sachen ins Lehrerzimmer und gehe zu meiner ersten Stunde ins Nachbargebäude.

08:15 Uhr – Unterrichtsbeginn. Heute in Doppelsteckung, sprich gemeinsam mit einer anderen Kollegin. Sie macht den Unterricht, ich kümmere mich um die Schüler, die mehr Hilfe brauchen, und es nicht schaffen, ihre Aufgaben ganz alleine zu lösen. Das ist weniger vorbereitungsintensiv, kostet aber viel Geduld. Lieb sind sie, meistens auch einigermaßen willig, aber nicht alles klappt so, wie sie es möchten und das ist für uns alle anstrengend. Aber irgendwann haben wir es geschafft, vielleicht langsamer als die Mitschüler, aber es gibt ein Ergebnis. Sehr schön, gut gemacht.

09:45 Uhr – Wieder Aufsicht. Keine Pause. Aber heute ist es nicht so schlimm, weil ich danach eine Freistunde habe, die bisher noch nicht mit einer Vertretungsstunde verplant wurde. Das kommt mir sehr gelegen. Denn ich wollte Arbeit von daheim vorlagern und den Unterricht für Freitag schon ein bisschen vorplanen. Mist. Ich dachte, ich hätte das Buch dafür mitgenommen, aber leider nicht. Ungünstigerweise haben wir keinen funktionierenden PC in der Schule, WLAN auch nicht. Also nutze ich mein Handy und suche Inspiration aus dem Internet heraus. Dann muss ich das Arbeitsblatt nur noch zuhause schreiben.

12:15 Uhr – Freistunde und Mittagspause sind vorbei. Wir Lehrer in unserem Lehrerzimmer sitzen zusammen, trinken Kaffee, essen unser mitgebrachtes Essen und plaudern. Mein Essen ist jeden Tag das gleiche: Belegtes Eiweißbrot, Gemüse und manchmal noch ein Müsliriegel oder ähnliches. Süßigkeiten stehen ohnehin immer auf dem Tisch, die muss man nicht noch zusätzlich mitbringen. Dann gehe ich zu meinem Unterricht, wieder in Doppelsteckung. Das Prinzip dahinter finde ich ganz gut, aber nicht immer sinnvoll. Hier aber bin ich einem Referendar zugeteilt worden, also macht es für uns beide Sinn.

13: 05 Uhr – Oh, auf die jetzigen Stunden freue ich mich immer am meisten. Die süßen Kleinen aus der 8., alle unglaublich lieb und motiviert, so dass man es als Lehrer ziemlich leicht hat. Zudem ist es ein Kurs, den die Schüler freiwillig wählen konnten und kommen mit einem gewissen Grundinteresse. Es sind auch nur zehn Schüler, also optimale Voraussetzungen. Und ein Smartboard habe ich sogar auch noch. Also ganz klar, wieso das eine meiner liebsten Stunden ist, oder? So macht Unterricht richtig viel Spaß. Allerdings steht heute eine Klassenarbeit an. Die Mäuse scheinen gut vorbereitet, haben ja auch immer toll mitgearbeitet und werden fast alle vor der vorgegebenen Zeit fertig. Für mich als Lehrerin sind Aufsichten bei Arbeiten sterbeeeenslangweilig. Wirklich arbeiten kann man nebenbei nicht. Zu oft muss man hochgucken, damit auch niemand „versehentlich“ abschreibt oder flüstert und auch um keine Meldung zu verpassen. Also sitzt man da und wartet, dass die Zeit vergeht.

15: 00 Uhr – Heute steht die erste Versammlung einer Arbeitsgemeinschaft an, für die ich mich interessiere. Die Kollegen kenne ich bisher nur vom Sehen, das Thema interessiert mich aber so sehr, dass ich gerne in dieser Arbeitsgruppe mitwirken würde. Der Tagesplan wird abgearbeitet, wichtige Punkte besprochen und ich sitze daneben und versuche einen Überblick über das Thema zu bekommen. Klingt richtig spannend, will ich machen.

17:30 Uhr – Meine Freundin hat bald ihr Staatsexamen und beendet ihr Referendariat. Da ich schon seit einem halben Jahr fertig bin, kann ich ihr gut helfen und wir treffen uns in dem Bezirk, in dem sie wohnt und besprechen ihre Planung. Stimmt die Phasierung? Ist der Einstieg ausreichend motivierend und problemorientiert? Gibt es einen Transfer? Hier und da sollte das Arbeitsblatt noch etwas umgestaltet werden.

20:45 UhrIch bin wieder zuhause und habe noch nichts für morgen vorbereitet. Mein Freund muss immer super früh aufstehen und ist schon auf dem Weg ins Bett. Ich flitze ins Arbeitszimmer, schmeiße den Computer an und plane noch für morgen meinen Unterricht. Natürlich funktioniert nicht alles wie geplant, ich bin müde und unkonzentriert und es zieht sich.

23:30 Uhr – Gute Nacht.


Mittwoch

06:00 Uhr – Aufstehen, wie immer. Heute steht ein Wandertag mit der 8. Klasse ins Museum an. Also frühstücken, Tasche packen, alle wichtigen Zettel einpacken und auf zur Schule.

08:15 Uhr – Treffpunkt vor dem Klassenzimmer. Obwohl keines der Kinder näher an der Schule als am Bahnhof oder dem Museum wohnt, müssen alle zur Schule kommen. Aufsichtspflicht und so. Also alle einsammeln, im Gänsemarsch (okay, das ist eine Wunschvorstellung von mir) zur Bushaltestelle, kontrollieren ob alle Kinder einen Fahrschein und Geld für den Eintritt dabei haben und auf geht es.

09: 30 Uhr – Wir sind am Museum angekommen, haben niemanden verloren und niemand hat sich verletzt. Sehr gut! Alles läuft nach Plan und wir sind sogar pünktlich. Unterwegs haben sie sich super lieb benommen, niemanden gestört und sich wie zivilisierte kleine Menschen benommen. Ein bisschen stolz bin ich schon auf sie. Von wegen alle Jugendlichen können sich nicht benehmen.

11:00 Uhr – Hab ich gerade gesagt, es sind kleine Engel? Puh. Es ist, als würde man einen Sack Flöhe hüten und muss gleichzeitig interessiert dem Guide im Museum zunicken. Tut doch bitte wenigstens so, als würde es euch interessieren. Nur lange Gesichter und vom Gähnen aufgerissene Münder. Aber kaum sind wir draußen, wird geplappert und nachgefragt. Typisch. Jetzt schnell noch alle Kinder bei McDonalds abkippen ehe es zurück zur Schule geht. Natürlich bis zum Gebäude. Aufsichtspflicht und so.

13:30 Uhr – Ich bin daheim und habe nicht vor, heute noch viel zu machen. Sprich, nur maximal noch zwei bis drei Stunden. Dann ist Feierabend. Um 16 Uhr klappe ich den PC zu, habe meine Tasche für morgen gepackt und treffe mich mit Freunden. Mal auf andere Gedanken kommen, aber die meisten meiner Freunde sind auch Lehrer, so dass man letztlich wieder beim gleichen Thema landet.

22:00 Uhr – Noch ein paar Seiten lesen, Licht aus. Gute Nacht.

Arbeitsblatt erstellen


Donnerstag

06:00 Uhr – Heute bin ich aufgeregt, habe schon ein bisschen unruhig geschlafen, weil ich unsicher war, ob alles erledigt ist und nichts schief gehen kann: Meine großen, die Oberstufe, schreiben Klausur. Das Erstellen war ein Alptraum, aber jetzt ist sie fertig, kopiert, sortiert und zusammengeheftet.

08:15 Uhr – Der Unterricht verläuft normal. Ein Schüler muss den Unterricht verlassen, und zum Trainingsraum. Zu viel gestört. Drei Schüler fehlen. Eine davon habe ich noch nie in meinem Unterricht gesehen, einer schwänzt immer mal wieder und der dritte Schüler ist wahrscheinlich krank. Nichts besonderes. Also ziehe ich meinen Plan durch, lass die Aufgaben bearbeiten, erkläre noch weitere drölfzig Mal, was die Aufgabenstellung ist und sage einen Test für in zwei Wochen an. So weit, so alltäglich.

12:15 UhrNach zwei Aufsichten, also ohne Pause, und hungrig gehe ich zum Klausurraum. Hoffentlich knurrt mein Magen nicht während die Schüler schreiben. Ich habe Kinderriegel als kleine Motivation mitgebracht. Doof für die, die Lactoseintolerant sind, aber wenigsten können die Kinder, die keine Gelatine essen, die die Fructoseintolerant und die mit einer Glucoseunverträglichkeit die Schokolade naschen. Dann geht es los: 90 Minuten volle Konzentration für die Schüler und pure Langeweile für mich. Alle Handys liegen eingesammelt vor mir. Nach 20 Minuten gibt der erste Schüler ab, die letzten bekommen einen Nachteilsausgleich von 15 Minuten. Das war es dann auch mit der dritten Pause.

15:00 Uhr – Fachbereichskonferenz. Alle Lehrer meines Fachbereiches treffen sich – der Termin ist obligatorisch – und besprechen alles, was ansteht: Welche Schulbücher brauchen wir für das neue Jahr? Wer plant den Lehrplan fürs neue Schuljahr? Gibt es Workshops oder Exkursionen, die wir wahrnehmen sollten? Sonst irgendwelche Anliegen? Okay, dann schönen Feierabend.

16:45 Uhr – Ich bin zuhause und muss noch dringend den Unterricht für morgen planen. Ich will eine Diskussion machen, bei der die Schüler aus ihren Rollen heraus diskutieren sollen. Also schreibe ich Rollenkarten, gestalte die Arbeitsblätter ansprechend und drucke sie auf Farbpapier aus. Dann kontrolliere ich die Tests vom Dienstag. Drei Mal Note 6. Definitiv nicht gelernt, denn sie könnten mehr, wenn sie sich mehr zutrauen würden. Jetzt nur noch schnell die Aufgaben für die Oberstufe erstellen – mittlerweile ist es nach 18:30 Uhr – und dann Abendbrot kochen.

22:00 Uhr – Morgen ist Freitag. Gute Nacht.


Freitag

06:00 Uhr – Hallo letzter Tag der Woche. Freitag ist mitunter mein Lieblingstag: Nur gute Stunden und dann auch schon 13 Uhr Schluss. Jippieh.

08:15 Uhr – Super. Vertretungsstunde. Dabei wollte ich die Freistunde mittendrin eigentlich nutzen, um die Reihe des neuen Themas in Geographie vorzuplanen und mir Leitfragen zu überlegen. Na gut, dann eben Englischvertretung in der 8. Klasse. Die Lautstärke in der Klasse ist irgendwo zwischen Presslufthammer und startendem Flugzeug. Zu laut. Aber ich habe keine Lust Schüler anzubrüllen, schon gar nicht, wenn ich ihre Namen nicht kenne. Also warte ich ab. Stehe da, und warte bis sie leise werden. Die verlorene Zeit hänge ich in die Pause. Es ist auch meine Pause, die dabei verloren geht, aber so süß sie sein können, irgendwann ist auch mal Schluss.

13:00 Uhr – Schulschluss. Heute war eigentlich ein guter Tag. Alle Schüler waren mehr oder weniger lieb, haben mitgearbeitet und niemand ist wegen ausgelassenem Frühstück, vergessenem Trinken oder zu wenig Schlaf umgekippt. Aber ich fühle mich, als hätte mich ein Zug überfahren, bin angespannt und würde am liebsten direkt schlafen gehen.

14:30 Uhr – Meine Schule ist in einem Randbezirk. Ich treffe mich aber wenn möglich jeden Freitag mit meinen Freundinnen aus dem Referendariat in Berlin Mitte. 1,5h Fahrt hin, lecker Essen, 1,5h Fahrt zurück. Unterwegs lese ich und hoffe, dass mich niemand wegen irgendetwas anspricht. Dann tauschen wir uns aus. Es hilft zu wissen, dass nicht nur ich manchmal verzweifelt bin, sondern wir uns gegenseitig unterstützen können. Und wir können all die lustigen Geschichten der letzten Woche austauschen. Da hat man viel zu erzählen.

17:00 Uhr – Heute mache ich überhaupt nichts mehr. Nur entspannen, vielleicht einen Film gucken oder ein bisschen lesen, ein Bad nehmen oder Freunde treffen. Aber sicherlich keine Schule. Nicht ein bisschen.

Lehreralltag


Samstag

08:00 Uhr – Wenn ich jeden Tag um 6:00 Uhr aufstehe, kann ich samstags selten länger als bis 08:00 Uhr schlafen. Also aufstehen, lecker und entspannt und lange frühstücken und dann den Tag genießen.

11:00 Uhr – Freizeit.

13:00 Uhr – Freizeit.

15:00 Uhr – Freizeit.

17:00 Uhr – Freizeit.

19:00 Uhr – Mist, nur noch einen freien Tag.


Sonntag

11:00 Uhr – Nach dem Frühstück steht Schule auf dem Plan. Damit wir wenigstens den Nachmittag noch haben und ich die Aufgaben auf dem Schreibtisch minimieren kann. Die Klausuren müssen kontrolliert werden: 30 mal mindestens 3 Seiten Text. Und keine Aufgaben, die sich einfach nur abhaken lassen. Also braucht man Zeit. Ich so in der Regel etwa 45 Minuten für eine normale Klausur. Nach oben ist Luft. Dann das Gutachten schreiben, macht insgesamt eine Stunde pro Klausur. Schaffe ich heute natürlich nicht, aber dann bekommen sie ihre Arbeiten eben erst eine Woche später zurück. Bis jetzt war alles von Note 1 bis 5 dabei.

16:00 Uhr – Ich muss raus an die frische Luft. Egal, ob wir nur spazieren gehen, Eis essen oder noch etwas unternehmen, aber ich kann jetzt keinen Schreibtisch mehr sehen.

22:00 Uhr – Gute Nacht.


Ob ich meinen Job liebe? Sehr sogar. Es kann anstrengend sein. Manchmal so sehr, dass ich mich frage, wieso ich keinen Nine to Five Job gewählt habe. Wieso musste es ein Job sein, bei dem ich manchmal mehr arbeite, als ich schaffe? Weil er toll ist. Weil es Spaß macht, mit Kindern zu arbeiten. Klar, können sie einen auf die Palme bringen und manchmal hat man das Gefühl, irgendwer hat sie nachts gegen kleine Monster ausgetauscht. Aber insgesamt erlebt man so viel mehr positives als negatives, bekommt viel zurück – selbst wenn es kaum ein „Danke, Frau Pastel, das war eine spannende und gut aufgearbeitete Stunde.“ sein wird. Und nicht jede Woche ist so, wie oben beschrieben. Manchmal habe ich Projektwochen, oder fahr auf Klassenfahrt oder habe Wandertage. Das entschädigt für so einiges.

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11 Comments

  • Reply Gräfin Zahl 25. Mai 2018 at 08:06

    Schüler haben ja auch nicht unbedingt am Nachmittag frei. Ich hatte auf dem Gymnasium immer sehr viele Hausaufgaben.

    • Reply ANNI PASTEL 25. Mai 2018 at 14:59

      Das stimmt 🙂

  • Reply Kerstin 25. Mai 2018 at 10:05

    Das war superinteressant zu lesen und sehr informativ. Danke dafür 😉 Ich finde, man merkt immer, dass du deinen Job wirklich liebst, und ich wünsche dir so sehr, dass es so bleibt.
    LG aus Karlsruhe,
    Kerstin

    • Reply ANNI PASTEL 25. Mai 2018 at 15:00

      Oh man, ja, ich hoffe es auch, dass mir der Job in 20 Jahren noch genau so viel Spaß macht wie jetzt. Aber ich kann es mir gut vorstellen 🙂

  • Reply Tabea 25. Mai 2018 at 11:35

    Vielen Dank, liebe annipastel, für diesen ausführlichen Blogpost. Ich möchte selbst einmal Lehrerin werden und finde es toll, dass du Einblick in deinen Alltag gewährst.
    Liebe Grüße und ein wunderschönes Wochenende.

    • Reply ANNI PASTEL 25. Mai 2018 at 15:01

      Das freut mich sehr, dass dir der Beitrag gefällt 🙂 Und ich hoffe, dass du den Traum verfolgst. Lehrer ist ein toller Job 🙂

  • Reply Gräfin Zahl 25. Mai 2018 at 11:44

    Was ich krass finde:
    1. Dass du nicht zum Essen kommst.
    2. Dass du eine Schülerin noch nie gesehen hast, obwohl du ja schon ein paar Monate dort bist.
    3. Dass es 30 Stunden dauert, die Klausuren einer Klasse zu kontrollieren.

    Aber ich liebe dein Engagement und deine Leidenschaft!

    • Reply ANNI PASTEL 25. Mai 2018 at 15:02

      Haha, jaaa, das sind alles so Sachen, an die man im Vorfeld gar nicht denkt, wenn man anfängt Lehramt zu studieren. Und ich komme ja auch in Pausen zum Essen, in denen ich keine Aufsicht habe. 🙂

  • Reply frauke 25. Mai 2018 at 21:08

    Und manchmal hat man während der Pause die Wahl zwischen „Esse ich jetzt schnell was oder gehe ich lieber auf Toilette“ 😉 Für beides reicht oft die Zeit nicht und dann muss man sich irgendwie entscheiden, was man in der nächsten Doppelstunde leichter aushalten kann…

    • Reply ANNI PASTEL 26. Mai 2018 at 21:09

      Oh ja, da hast du Recht 😀 Aber ich würde mich immer eher für die Toilette als das Essen entscheiden. Lieber ein peinlich knurrender Magen als eine platzende Blase 😀

  • Reply GräfinZahl 21. Juli 2018 at 10:25

    Kannst du mal einen Post darüber machen, was Lehrer in den 6wöchigen Sommerferien so zu tun haben? Und wie das mit dem Urlaub so läuft?
    Kann man sich zwar irgendwie denken (neues Schuljahr vorbereiten und Konferenzen sicherlich + Urlaub in den Ferien), aber wäre mal interessant, wenn du darüber auch so berichten würdest, wie über die typische Lehrerwoche.

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