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Slowakei Roadtrip: Highlights und Tipps zum Nachmachen

8. September 2019
Bojnice Castle

Das Schöne liegt oft näher als man denkt. Schnell vergessen wir bei all den tropischen und exotischen Reisezielen auf Instagram und Co. was wir hier in Europa haben. Die meisten Menschen in meinem Umfeld haben – wenn überhaupt – nur die klassischen Urlaubsländer in Europa besucht. Alles, das weiter östlich als Berlin liegt geht dabei aber meistens unter. Obwohl Europa so viel zu bieten hat, so viele spannende und noch unentdeckte Länder, wie die Slowakei. Hier erfahrt ihr die Highlights von meinem Slowakei Roadtrip sowie Tipps zum Nachmachen. Der Osten von Europa reizt mich sehr. Auch wenn ich die Strände des Südens und die wilde Schönheit des Nordens liebe, ist es gerade dieses Unbekannte, was mich an den Ländern östlich und südöstlich von Deutschland reizt. Dieses Gefühl des “keine Vorstellung”-Habens fasziniert mich, weil man sich in ein Abenteuer fallen lässt, an das man noch keine Ansprüche stellt. Schon der Roadtrip mit meiner Freundin Viki durch Polen im vergangenen Herbst oder der durch Slowenien zu Ostern diesen Jahres bestärkten mich darin, mehr entdecken zu wollen.

Slowakei Roadtrip Tag 1: Wien – Banska Stiavnica

Der Slowakei Roadtrip startete früh morgens mit dem Hinflug nach Wien. Dass ich keine direkten Flüge von Berlin nach Bratislava, der slowakischen Hauptstadt gebucht habe, war einerseits eine Kostenfrage, andererseits kenne ich Bratislava bereits von einem früheren Besuch und entschied mich, es dieses Mal auszulassen. Die Stadt ist aber wirklich ein hübscher Ort, also wenn ihr noch nicht dort wart, solltet ihr Bratislava definitiv auf eure Liste schreiben. Hier habe ich euch berichtet, was man an einem Tag in Bratislava erleben und unternehmen kann. Wien liegt aber nur wenige Dutzend Kilometer entfernt, so dass es ein idealer Ausgangspunkt war.

Győr – über Ungarn in die Slowakei

Nach Banska Stiavnica kann man auf direktem Weg innerhalb von zwei Stunden über die Autobahn von Bratislava aus gelangen, wir entschieden uns jedoch für einen kleinen Umweg. Von Wien aus ging es nach Győr, einer Stadt im Westen Ungarns, unweit der slowakischen Grenze und – wenn überhaupt – bekannt als Produktionsstandort von Audi. Tatsächlich hatte ich noch nie von Győr gehört und war gespannt, was mich erwarten würde. Im Internet liest man viel von “kommunistischem Charme”, eine Aussage, die ich absolut nicht unterschreiben kann. Die Häuser sind bunt, die Kirchen zahlreich und auch tolle Cafés, wie das Jam, Juice & More finden sich leicht. Aber Achtung, denkt daran, dass ihr beim Grenzübertritt nach Ungarn eine Vignette für euer Auto (10 Tage kosten ca. 5€) benötigt.

Nächster kurzer Zwischenstopp auf dem Weg zum Tagesziel Banska Stiavnica war Komárno. Googelt man die slowakische Grenzstadt, sieht man wunderschöne Fotos des fast schon spielzeughaften Europaplatzes. Neben diesem lohnen sich auch der Besuch der Festung Komárno (Führungen starten um 09:00, 11:00, 14:00 und 16:00 Uhr für je 3€ pro Erwachsenem) und der Hauptplatz mit der Bazilika sv. Ondreja. Auch hier wieder an die Vignette für die Slowakei denken. 10 Tage kosten 10€.

Sightseeing in Györ

Sightseeing in Györ

Rathaus in Komarno

Rathaus in Komarno

Europaplatz in Komarno

Europaplatz in Komarno

Europaplatz in Komarno

Europaplatz in Komarno

Banska Stiavnica – Die schönste Stadt der Slowakei

Nach einigen Stunden Fahrtzeit erreichten wir Banska Stiavnica. Leider muss an der Stelle gesagt werden, dass die Slowakei ohne Auto schwierig zu bereisen ist. Zug- oder Busverbindungen existieren oft nicht oder sind so umständlich, dass sie viele Stunden der wertvollen Reisezeit stehlen würden. Aber auch mit dem Auto kommt man deutlich langsamer voran als auf deutschen Straßen. Ca. 50-60 km pro Stunde schafft man durchschnittlich, so dass auch kurze Wege weit werden können.

Banska Stiavnica ist die älteste slowakische Bergbaustadt und liegt inmitten der Schemnitzer Berge mit ihren bis zu 1000m hohen Bergen. Der gesamte Alstadtkern wurde zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Wir bezogen ein wunderschönes AirBnB-Zimmer, von dem aus man nicht nur den Stadtkern überblicken, sondern auch das Neue Schloss sehen konnte. Was von weiten schön aussah, lohnt den Ausflug nur bedingt. Das Neue Schloss ist wenig spektakulär von außen, da es bei seiner Erbauung im 16. Jahrhundert vor allem militärisch-strategisch genutzt werden sollte, und kein Prunkschlösschen war. Für 1€ könnt ihr täglich von 09:00 – 17:00 die Ausstellung im Inneren zur Militärgeschichte des Ortes besuchen.

Sehenswürdigkeiten, die ihr nicht verpassen solltet

Auch das Alte Schloss steht noch und kann besichtigt werden. Vom Dreifaltigkeitsplatz aus, dem Zentrum des Ortes mit der Pestsäule und der “LOVE-Bank“, erreicht ihr das Schloss. Für 4€ mit einer Tour oder 3€ ohne kann die Ausstellung zur Stadtgeschichte zu den gleichen Öffnungszeiten wie die des Neuen Schlosses besichtigt werden. Ganz in der Nähe des Dreifaltigkeitsplatzes findet ihr die öffentlich zugänglichen Kirchen Maria Himmelfahrt und die der Heiligen Katharina, sowie das Rathaus.

Wer es ein wenig aktiver mag, kann den Kalvarienberg besteigen. Natürlich wollte auch ich dort hinauf, aber bei sengender Hitze Ende Juli war das wahrlich kein schöner Spaziergang. Ihr solltet auf jeden Fall gut zu Fuß sein und einigermaßen festes Schuhwerk anhaben. Ich hatte mit meinen völlig ungeeigneten Birkenstocks sehr zu kämpfen auf den losen und gerölligen Pfaden hinauf zu den drei Kirchen und neunzehn Kapellen, die im 18. Jahrhundert vom Jesuiten-Orden erbaut wurden. Der Ausblick entschädigte alle Anstrengung. Entspannen konnten wir dann beim Abendessen im kleinen 4Sochy im ehemaligen Kammerhof der Stadt. Auf der Karte stehen eine kleine Auswahl an wöchentlich wechselnden Speisen, die direkt vor den Gästen in der offenen Küche zubereitet werden.

Wer es noch aktiver möchte, kann vom Dreifaltigkeitsplatz aus zu einem der Schemnitzer Stauseen wandern, die oberhalb der Stadt in den Bergen liegen und einst für den Bergbau genutzt wurden. Der Weg dorthin ist sehr unwegsam, so dass ihr unbedingt feste Schuhe benötigt. Obwohl bei Google als Straße eingetragen, solltet ihr aber besser mit eurem Auto zum Parkplatz oberhalb des Sees fahren und dann hinab wandern. An die Bergbauzeit erinnert auch das Freilicht-Bergbau-Museum, das wir nicht besucht haben, das aber zu den besten Museen der Slowakei zählt.

Das Alte Schloss in Banska Stiavnica

Das Alte Schloss in Banska Stiavnica

Die Altstadt von Banska Stiavnica

Die Altstadt von Banska Stiavnica

Der Kalvarienberg

Der Kalvarienberg

Sightseeing in Banska Stiavnica

Sightseeing in Banska Stiavnica

Der Blick über Banska Stiavnica ist einfach so schön

Der Blick über Banska Stiavnica ist einfach so schön

Am Tschemnitzer See

Slowakei Roadtrip Tag 2: Burg Liptsch – Chmarošský Viadukt Viadukt – Košice

Die Burg Liptsch (Ľupčiansky hrad) aus dem 13. Jahrhundert stand als erstes auf unserem Tagesplan. Einst der Sitz von Königen, wurde sie im 18. Jahrhundert zunächst in ein Gefängnis, wenige Jahre später in ein Waisenhaus und schließlich in eine Schule umgewandelt. Heute ist die Burg ein Museum, das dienstags bis sonntags halbstündlich mit einer Führung besucht werden kann. Für 2€ pro Erwachsenem plus 3€ für eine Fotoerlaubnis können die Ausstellung im Inneren und die Räume besichtigt werden. Da die Führungen auf slowakisch sind, bekommt man eine Broschüre mit den wichtigsten Informationen an der Kasse.

80 km entfernt liegt einer DER Instagram-Spots der Slowakei: Das Chmarošský Viadukt, im Osten des Nationalparks Slovenský raj. Ziemlich unscheinbar parkt man am Rand eines Feldes direkt neben der Landstraße, um den perfekten Blick auf das noch immer befahrene Viadukt zu haben. Auch an Huta Etelka, einer Stahlfabrik aus dem 19. Jahrhundert, stellten wir diese Erwartung. Aber der vermeintliche Foto-Spot entpuppte sich als heruntergekommene und nicht zugängliche Ruine. Könnt ihr also getrost von eurer Slowakei Roadtrip – Liste streichen.

Die Burg Lipsch

Die Burg Liptsch

Die Burg Lipsch

Die Burg Liptsch

Das Chmarossky Viadukt

Das Chmarošský Viadukt

Košice – Einen Besuch wert

Letztes Ziel an diesem Tag und unsere Nachtstätte sollte Košice werden. Sie ist nicht nur die zweitgrößte Stadt der Slowakei, sondern wahrscheinlich auch die einzige noch außerhalb der Landesgrenzen bekannte. Die Stadt liegt in einem Kessel aus drei verschiedenen Gebirgen und ist keine 100km von Ungarn und der Ukraine entfernt. Sie ist sowohl eines der religiösen, universitären als auch industriellen Zentren des Landes.

Die Sehenswürdigkeiten konzentrieren sich weitgehend in und um die Hauptstraße Hlavná ulica. Hier findet ihr den Dom der Heiligen Elisabeth, die größte Kirche der Slowakei mit der größten europäischen Sammlung von 48 gotischen Tafelgemälden. Der Eintritt kostet 1€. Weitere Highlights von Košice sind der Singende Brunnen vor dem Staatstheater, die Michaelskirche, der Urban-Turm neben dem Dom, das Rathaus und das Bischofspalais. Aber selbst wenn ihr auf klassisches Sightseeing keine Lust habt, macht auch das Spazieren durch die pastellfarbenen Gassen viel Spaß.

Geschlafen haben wir in einem wirklich schönen Hotel, dem Golden Royal Boutique Hotel, nur wenige Gehminuten vom Staatstheater im Zentrum entfernt. Das Hotel hat einen tollen Spa-Bereich, der ohne Aufpreis gebucht werden kann und euch dann für bis zu drei Personen privat zur Verfügung steht, inklusive Pool, Jacuzzi, Massageliege und Saunen. Im Med Malina bekommt ihr ein gutes Essen.

Das Staatstheater von Kosice

Das Staatstheater von Košice

Der Dom der Heiligen Elisabeth

Der Dom der Heiligen Elisabeth

Der Dom mit seinem schönen Park

Der Dom mit seinem schönen Park

Slowakei Roadtrip Tag 3: Spis Castle – Bardjeov – Kežmarok

Eines meiner persönlichen Highlights auf dem Slowakei – Roadtrip erwartete uns am Morgen des dritten Tages: Bardejov. Diese kleine Stadt im Osten von Polen ist ein wahres Schmuckstück und  noch ein Geheimtipp, denn tatsächlich waren wir die einzigen Touristen, dabei ist Bardejov eine ehemalige deutsche Stadt, die vom Zisterzienserorden gegründet wurde. Dafür wurde geheiratet wie verrückt und wo immer man hinsah, sah man glückliche und wunderschöne Bräute. Berühmt ist die Stadt für ihren Marktplatz, der zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Hier stehen das freistehende Rathaus aus dem 16. Jahrhundert und die über 900 Jahre alte gotische Bazilika sv. Egidia. An den Seiten reihen sich pastellfarbene Häuser auf, vor denen die Einwohner bei Mohnhörnchen und Kaffee sitzen. Überquert man den Marktplatz und passiert die Basilika linkerhand, kommt man an die Stadtmauer, die einerseits den Fluss überblickt, und andererseits einen grandiosen Blick auf die Basilika erlaubt.

Spis Castle – DER Instagram-Spot auf unserem Slowakei Roadtrip

Auch der nächste Halt sollte unbedingt auf eure Liste, wenn ihr einen Slowakei Roadtrip plant: Das Spis Castle (Spišský hrad bzw. Zipser Burg) thront auf einem beinahe 700m hohen Kegelfelsen über die umliegende, ebene Landschaft. Erbaut im 12. Jahrhundert, ist sie heute nach dem Prager Schloss die zweitgrößte Burganlage Europas. Schon von weiten sieht man die Burg. Das veranlasst vermutlich viele Leute, bereits am Fuße des Berges, wild (und kostenlos) am Straßenrand zu parken. Auch wir haben dort zunächst angehalten, um – das Weizenfeld im Vordergrund – schöne Fotos zu machen und waren versucht, bei gefühlten 35°C zur Burg hinauf zu laufen. Kein Problem, aber wer nicht gut zu Fuß ist, findet einen kostenpflichtigen Parkplatz (5€) am letztmöglichen Punkt, ehe man noch gute fünf Minuten den restlichen Weg zur Burg bewältigen muss. In den Vorhof, mit Café und Shop kommt man unentgeltlich, will man sich das Spis Castle genauer ansehen, kostet der Eintritt 8€ pro Erwachsenem und ist mit einer Tour zu besichtigen.

Levoča war ein kleiner Zwischenstopp auf unserem Weg zum Endpunkt des Tages in Kežmarok. Wer Zeit hat, kann hier einen Stopp einlegen und sich den Marktplatz, das Rathaus und die Bazilika sv. Jakuba anschauen. Zusammen sind sie ein tolles Fotomotiv. Hinein konnten wir wegen einer gerade stattfindenden Hochzeit nicht, so dass wir den mit fast 20m Höhe höchsten gotischen Altar der Welt leider nicht sehen konnten. In meinen Augen ist Levoca aber kein Muss.

Bardejov

Bardejov

Das Spie Castle

Das Spie Castle

Levoca

Levoca

Kežmarok – das Tor zur Hohen Tatra

Unser Lager wollten wir an diesem Abend in Kežmarok aufschlagen. Die Stadt wirkt touristisch quasi gar nicht erschlossen und das obwohl sie das Tor zur Hohen Tatra ist, die im Sommer von Wanderern und im Winter von Skitouristen überflutet wird. Ich glaube von allen kleinen Orten in denen wir waren, war Kežmarok der schönste, obwohl alles in allem doch eher unspektakulär. Geschlafen haben wir in dem super schönen Hotel Club Kezmarok, direkt neben dem Stadtschloss Kežmarský hrad. Das Frühstück für nur 8€ pro Person war unfassbar gut. Obwohl man auch bei einem täglich wechselnden Tagesmenü im Hotel zu Abend essen kann, entschieden wir uns für einen Abendspaziergang durch die Altstadt und landeten so im U Jakuba. Das Restaurant war brechend voll, das Essen lecker und vor allem wahnsinnig günstig. Probiert doch mal Kofola, die slowakische Cola-Variante und natürlich die Knoblauchsuppe (von der ihr auch noch am nächsten Tag etwas habt haha).

Die Altstadt selbst ist sehr überschaubar aber deshalb nicht minder schön. Vor allem das Rathaus und die ehemalige Stadtbibliothek sind wunderschön. Etwas weiter außerhalb ist das bekannteste Gebäude der Stadt, die knallrote Evangelische Kirche, die auf all den schönen Panoramafotos zu sehen ist. Aber trotz mehrstündiger Suche haben wir den Punkt nicht finden können, von dem es aufgenommen wurde.

Blick auf die Hohe Tetra in Kezmarok

Blick auf die Hohe Tetra in Kežmarok

Die Stadtbibliothek von Kezmarok

Die Stadtbibliothek von Kežmarok

Slowakei Roadtrip Tag 4: Štrbské Pleso – Orava Castle

Entspannt und abenteuerhungrig ging es am nächsten Morgen weiter zu meinem dritten Highlight auf dem Slowakei Roadtrip: Dem Tschirmer See (Štrbské Pleso) liegt im gleichnamigen Kurort Štrbské Pleso. Während wir auf der ganzen Reise kaum andere Touristen gesehen haben, schienen sie sich nun ALLE hier zu versammeln. Bereits am frühen Morgen war der Parkplatz brechend voll und Tagestouristen, Wanderer und Gäste der angrenzenden Hotels bevölkerten im wahrsten Sinne des Wortes den See. Ihr solltet also am besten so früh wie möglich anreisen. Der Parkplatz kostet 6€ für einen Tag.

Ein Spaziergang um den auf ca. 1400m Höhe liegendem See herum lohnt sich allemal. Der Blick auf die Gipfel der Hohen Tatra ist wahnsinnig schön und lässt einen vergessen, dass man von Menschen umgeben ist. Mich hat der See total herunterkommen lassen. Allerdings stören die zum Teil doch sehr hässlichen Hotels um den See herum die Idylle. Wer mehr Zeit mitbringt, kann sich ein Boot mieten und über den See rudern oder in einem der vielen Restaurants am See essen. Vom Štrbské Pleso ausgehend gibt es viele Wanderrouten in die Berge. Meine Eltern haben hier in den 1980ern bereits Urlaub gemacht und sind auf ihren Wanderungen mehrfach auf wilde Bären getroffen (so wie Viki und ich im letzten Jahr in Rumänien). Wer es entspannter mag, kann die Seilbahn zum 400m höher gelegenen Aussichtspunkt Solisko nehmen. Die siebenminütige Fahrt kostet hin- und zurück 15€.

Idylle pur am Štrbské Pleso

Idylle pur am Štrbské Pleso

Bootstouren auf dem Štrbské Pleso sind möglich

Bootstouren auf dem Štrbské Pleso sind möglich

Štrbské Pleso

Štrbské Pleso

Orava Castle – Die schönste Burg auf unserem Slowakei Roadtrip

Das vierte Highlight auf unserem Slowakei Roadtrip folgte direkt. Das Orava Castle (Arwaburg oder Oravský hrad) ist eine von über 200 Burgen in der Slowakei. Sie ist eigentlich nicht DER Touristenmagnet und steht im Schatten des Disneyschlosses Weinitz (siehe Tag 5), war für mich aber auf jeden Fall die schönste Burg. Wie immer gibt es einen zentralen, kostenpflichtigen Parkplatz (7€). Von dort aus geht es hinauf zur Burg, die man – wie immer in der Slowakei – nur mit einer Führung besuchen kann. Es gibt drei verschiedene Touren, die zwischen 70 und 180min lang sind. Für 10€ haben wir uns für die dreistündige Big Tour entschieden und es nicht einen Moment bereut. Eine Fotoerlaubnis muss für 3€ gekauft werden, gilt aber für alle Mitglieder eurer “Reisegruppe”.

Auch deutsche und englische Touren werden täglich angeboten, aber nicht zu der Zeit als wir ankamen, also entschieden wir uns für die slowakische. TIPP: Ladet euch vor dem Betreten der Burg die kostenlose Orava Castle App runter, damit habt ihr einen kompletten Audioguide bei der Führung. Im Schloss selbst gibt es fast nirgendwo eine Internetverbindung. Im Inneren sieht man verschiedene Ausstellungen zur Geschichte der Burg, eingerichtete Zimmer und eine Ausstellung zur slowakischen Natur und der Burg als Filmkulisse. Seid ihr wieder raus oder habt vor eurer Führung noch Zeit, überquert den Fluss und biegt direkt nach rechts ab. Nach etwa 200m kommt ihr zu einer Stelle, an der ihr einen tollen Blick auf die Burg vom Fuße der Felsenklippe aus habt. 

Die Dämanovaer Eishöhle – (K)ein Winterwunderland

Wenn ihr wie ich im Sommer in der Slowakei unterwegs seid, dann könnt ihr euch eine Sehenswürdigkeit vielleicht sparen: Die Dämanovaer Eishöhle ist in der Zeit von April bis Oktober wohl eher etwas für absolute Höhlenliebhaber oder diejenigen, die wirklich noch nie oder kaum in einer Höhle waren. Ich war schon in vielen verschiedenen Höhlen und habe mir versprochen, hier ein Eis-Märchenland zu finden. Googelt man die Eishöhle, sieht es auch genau so aus, doch die Eismassen sind nur während des Winters in der Höhle zu finden. Kalt ist es dennoch. Während es auf dem Parkplatz noch um die 30°C waren und es einem bei dem 15-minütigen, sehr steilen Aufstieg auch wirklich warm wird, ist es in der Höhle bitterkalt. Während der 45 Minuten dauernden Tour herrschen Temperaturen zwischen -7°C und +3°C. Jacke und lange Hose einpacken. Der Eintritt kostet 8€ + 7€ für den Parkplatz . Touren finden stündlich auf slowakisch statt, man erhält aber eine deutsche Info-Broschüre zu den Stationen der Führung. Plant doch lieber einen Besuch in der Ochtinaer Aragonithöhle auf eurem Slowakei Roadtrip ein. Es gibt nur zwei weitere Höhlen dieser Art, beide in Südamerika. Wir waren für einen Besuch leider zu spät dran.

Das Orava Castle

Das Orava Castle

Dämanovska Eishöhle

Dämanovska Eishöhle

Slowakei Roadtrip Tag 5: Čičmany – Bojnice Castle  – Beckov

Mitten in der Nacht des Vorabends erreichten wir Čičmany, zu deutsch Zimmermannshau, inmitten des slowakischen Nirgendwos. Stundenlang fuhren wir über winzige neblige Landstraßen der Rajetzer Berge des Landschaftsschutzgebietes Strážovské vrchy. Der Ort ist ebenso winzig wie wunderschön. In der sehr einfachen aber herzlichen Pension Javorina bezogen wir Quartier und bekamen hier wohl zum ersten Mal ein richtig gutes und slowakisches Abendessen und Frühstück mit selbstgebackenem Brioche und Käse. Berühmt ist der 130-Seelen-Ort für seine zum Teil noch original erhaltenen Holzhäuser mit den charakteristischen weißen Bemalungen. Die Kalk-Ornamente, die von den Frauen per Hand auf das Holz gemalt wurden, sollten vor Feuchtigkeit schützen.

Bojnice Castle – Das Disney-Schloss

Das wohl berühmteste Schloss auf unserem Slowakei Roadtrip hoben wir uns für den letzten Tag auf. Das Bojnice Castle (Schloss Weinitz bzw. Bojnický zámok) lässt Disney-Träume wahr werden. Wohl auch deswegen ist das Schloss die meistbesuchteste und am meisten fotografierteste Sehenswürdigkeit der Slowakei. Vom obligatorischen kostenpflichtigen Parkplatz (4€) aus, muss man an dutzenden Kitsches Touristenbuden vorbei zum Haupteingang. Diese Art von Massentourismus haben wir sonst nirgendwo in der Slowakei gesehen. Wer Lust und Zeit hat, kann am gleichen Platz auch den Zoo von Bojnice oder den Dino Park besuchen.

Es gibt verschiedene Touren, mit denen das Schloss, der einstige Sitz der Könige der Slowakei,  besichtigt werden kann. Individualbesichtigungen gab auch hier nicht. Die meisten Führungen finden auf slowakisch, mit deutschem Handzettel, statt, vereinzelt kann mit einem Aufpreis aber auch englische, russische oder deutsche Touren buchen. Zur Auswahl stehen die Galerie mit der kunsthistorischen Ausstellung, die Schlossbesichtigung oder eine Kombi-Tour. Letztere buchten wir, wenn ihr aber keine großen Kunstliebhaber seid, reicht auch die 75 minütige Schlossbesichtigung  für aus. Fotos dürfen in den mit originalen Möbeln ausgestatteten Räumen in der Regel gemacht werden, leider werden aber pro Tour so viele Touristen mitgenommen, dass man zum Teil gar nicht in die Räume passt und ohnehin recht wenig sieht. Wirklich schön ist der Schlosspark, der kostenfrei besucht werden kann. Im Mai findet hier jedes Jahr ein Gespenster-Festival statt, das bestimmt schön ist.

Cicmany

Čičmany

Bojnice Castle

Bojnice Castle

4 Orte für einen kurzen Zwischenstopp

Nun ging es auf direktem Weg zum Flughafen Wien mit nur vier kleinen Stopps am Wegesrand. Erster Halt war Trenčín, eine eher unscheinbare Stadt an der tschechischen Grenze. Grund für unseren Zwischenstopp war die Burg Trenčín, die auf einem Felsen über der Stadt thront. Leider reichte die Zeit nicht für eine Besichtigung aus und für einen kurzen Blick in oder auf die Burg, waren uns die 5,50€, die bereits am Fuße der Burg (ohne dass man einen Blick auf sie hätte werfen können) fällig werden, zu viel. Auch die Burg Beckov, unser nächster Halt, haben wir nicht von Innen besichtigt. Vielleicht war das besser so, denn man sagt, der Geist der Blutigen Baronin Elisabeth Báthory spuke noch durch die Mauern. Sie gilt als die größte Serienmörderin der Geschichte. Zwischen 36 und 80 Dienerinnen und junge Mädchen soll sie auf der Burg Beckov zu Tode gefoltert haben. Andere halten diese Geschichte für erfunden. Wer sich eine Gänsehaut verursachen lassen möchte, kann die Felsenburg für 3,50€ besuchen.

Das Čachtice Castle sollte ursprünglich auch ein Stopp auf unserem Rückweg werden. Vom Parkplatz aus trennt einen aber noch ein etwa halbstündiger Fußmarsch von der Burg, so dass wir uns aus Zeitmangel dagegen entschieden. Gesehen haben wir sie so überhaupt nicht, da auch die Aussichtspunkte nur zu Fuß erreichbar sind. Also fuhren wir durch nach Trnava, dem finalen Halt bevor es am Abend zurück gehen sollte. Wer viel Zeit hat, kann sich in einem der vielen Cafés am Markt niederlassen, ansonsten hat die Stadt – bis auf den Marktplatz und den Dóm sv. Mikuláša – nicht viel zu bieten, ist aber dennoch eine hübsche kleiner Ort.

Burg Beckov

Burg Beckov

Trnava

Trnava

Fazit nach 5 Tagen Slowakei Roadtrip

Die Slowakei hat mich überrascht. Nie hätte ich gedacht, dass es hier so viele Burgen und Schlösser gibt. Aber auch die Distanzen in diesem eigentlich gar nicht so großen Land waren erstaunlich. Insgesamt haben wir viel Zeit im Auto verbracht, für Strecken die auf der Karte gar nicht weit aussahen. Trotzdem ist man auf das Auto angewiesen, da der öffentliche Transport wie gesagt schlecht ausgebaut ist. Wichtig ist abschließend zu erwähnen, dass die meistens Sehenswürdigkeiten voraussetzen, dass man körperlich nicht eingeschränkt ist. Weite und unwegsame Wege, kaum Lifte oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen sind auffällig. Wenn ihr den Roadtrip nachmachen wollt, plant immer genug Pufferzeit ein, falls ihr die oft nur stündlich stattfindenden Führungen verpasst. Die Herzlichkeit der Menschen, die oft wilde Natur und die zuckersüßen, noch nicht überlaufenen Orte der Slowakei werden aber sicherlich schnell euer Herz erobern. Und wenn ihr wissen wollt, wie teuer so ein Roadtrip ist, dann klickt mal HIER vorbei.


Hättet ihr gedacht, dass die Slowakei so schön ist? Oder wart ihr vielleicht sogar schon einmal hier? Was waren eure Highlights?

Der Beitrag enthält unbezahlte Werbung.

5 Days in Slovakia Highlights and Tips 20 best things to do in Slovakia Slowakei Roadtrip

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