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1 Tag in Canterbury – Was du nicht verpassen solltest

22. September 2019
1 Tag in Canterbury

Canterbury kennt man. Sei es wegen seiner berühmten Kathedrale oder weil Ken Follett hier seine Charaktere aus Die Säulen der Erde spielen lässt. Aber Canterbury ist nicht unbedingt der Touristen-Hotspot wenn es um Englandreisen geht. Dabei lohnt es sich, mindestens 1 Tag in Canterbury zu verbringen, sei es auf eurer Reise durch Englands Süden oder als Tagesausflug von London aus.

1 Tag in Canterbury: Wie komme ich hin?

Wahrscheinlich sind es die zwei Klassiker, wieso ihr 1 Tag in Canterbury verbringen wollt: Entweder ihr kommt mit der Autofähre in Dover an und nehmt den Ort mit, weil er ohnehin “in der Nähe liegt” oder ihr einen Roadtrip durch Südengland macht (hier findet ihr DIE Harry Potter Drehorte in Südengland). Nur knapp 30 Minuten Fahrt (etwa 18 Meilen) trennen Dover und Canterbury. Wer von Frankreich aus mit dem Auto anreist ist also bestens auf einen Besuch vorbereitet, aber auch die Bahn southeastern bringt euch in etwa einer halben Stunde von Ort zu Ort.

Oder ihr plant einen Tagesausflug von London aus? Auch dafür ist Canterbury wie gemacht. Natürlich sind Oxford, Wales oder die zahlreichen Sehenswürdigkeiten in London selbst auch schon sehr tagesfüllend, aber wenn ihr wie ich schon öfter in London wart, dann ist das eine tolle Alternative zu den Klassikern. Von St. Pancras, Charing Cross oder von der Victoria Station fahren mehrmals täglich Züge nach Canterbury, die euch innerhalb von 1 – 1,5h für ca. £25 ans Ziel bringen.

Wenn ihr mit dem Auto anreist, gibt es um das Stadtzentrum herum viele öffentliche Parkplätze und Parkhäuser, auf denen ihr gegen Bezahlung euer Auto abstellen könnt. Die meisten Hotels im Innenstadtbereich haben zudem Kooperationen mit den Parkplatzbetreibern, also fragt am besten nach, dann bekommt ihr oft einen besseren Preis für 24h.

 

Die Highlight für 1 Tag in Canterbury

Canterbury ist neben Dover die bekannteste aber bei weitestem nicht größte Stadt der Grafschaft Kent. Mit nicht einmal 100.000 Einwohnern ist sie kleiner als meine Heimatstadt Cottbus (die sich übrigens für einen Tagesausflug von Berlin lohnt) und damit optimal für einen Aufenthalt von nur einem Tag geeignet. Ohne sich zu stressen, kann man die meisten Sehenswürdigkeiten fußläufig an einem Tag besuchen. Mir hat es dort aber so gut gefallen, dass ich gut und gerne auch noch zwei, drei weitere Tage hätte verbringen können, ohne mich zu langweilen.

Canterbury Cathedral

Canterbury Cathedral – wird seit 2017 renoviert

Canterbury Cathedral

Gerade wenn ihr nur 1 Tag in Canterbury zur Verfügung habt, ist die Kathedrale ein Muss. Es ist die Sehenswürdigkeit der Grafschaft und hat neben der touristischen auch eine riesige religiöse Bedeutung für das ganze Land. Obwohl große Teile von Kent und auch Canterbury aufgrund der exponierten Lage im Zweiten Weltkrieg zerbombt wurden, konnten die Bewohner der Stadt verhindern, dass – bis auf die Bibliothek – die Kathedrale zerstört wurde.

Ursprünglich als Kloster im 6. Jahrhundert gebaut, wurde sie 600 Jahre später erweitert und erhielt im Groben ihr heutiges Aussehen. Berühmt ist sie heute vor allem durch Henry VIII., ja der König mit den vielen Ehefrauen und dem, der die Trennung von Rom vollzog. Imzuge dessen enteignete er die Kirche, zerstörte den Sir Thomas’ Schrein und übernahm das Gebäude Seitdem ist sie der Hauptsitz der unter ihm gegründeten Anglikanischen Kirche in Canterbury und bis heute der Ort, an dem die englischen Könige gekrönt werden. Leider waren zur Zeit unseres Besuchen viele Bauarbeiten im Gange, so dass wir zu keiner Zeit die Kathedrale ohne Baugerüst sehen konnten. Seit 2017 wird innen und außen intensiv restauriert.

Den vollen Preis von £12.50 zahlt man natürlich trotzdem und kann dafür 09:00-17:00 Uhr die riesige Kathedrale besichtigen. Vor allem den Chor, den Großen Kreuzgang und die Chorscheitelkapelle solltet ihr euch nicht entgehen lassen. In letzterer wurde 1170 Thomas Beckett, der Erzbischof von Canterbury, auf Befehl des Königs umgebracht und dadurch zum Wallfahrtsort für die Pilgerer.

Canterbury Tales

Während der Pilgerreisen zum Schrein von Thomas Beckett erzählen sich die Menschen natürlich viele Geschichten, um sich die langen Wege zu vertreiben. Diese Geschichten sind als Canterbury Tales berühmt geworden und sind ebenso unterhaltsam wie voller Moral. Mal geht es um Liebe, mal um Verrat, mal um die Gier. Die berühmtesten dieser Erzählungen könnt ihr euch im interaktiven The Canterbury Tales Museum anhören. Geführt von Guides in historischen Kostümen und jeder Menge Witz geht es zusammen mit den Pilgern auf Reise. Einige der Geschichten erfährt man über einen Audioguide, der sich auch auf Deutsch stellen lässt. Museen können die Briten einfach, und dieses ist keine Ausnahme. Mit £11 ist es nicht super günstig, lohnt sich aber definitiv.

Christ Church Gate

Christ Church Gate

Christ Church Gate und Buttermarket

Wenn ihr in die Kathedrale wollt, werdet ihr mit ziemlicher Sicherheit durch den Haupteingang, das Christ Church Gate, gekommen sein. Die Vorhalle wurde erst im 15. Jahrhundert gebaut um die Pilgerströme besser lenken zu können ist heute aber nicht mehr im Original erhalten. Ihr erkennt das Tor schon von weiten an den Menschenmassen, die sich davor tummeln. Aber auch der Buttermarket, an dem das Tor steht, lohnt einen Besuch. Hier gibt es viele kleine Geschäfte, in denen man Bummeln oder sich hineinsetzen kann. Geht unbedingt beim Fudge Kitchen Shop vorbei. Diese Kette, die ich schon in einigen anderen britischen Städten besucht habe, ist berühmt für ihr gutes handgemachtes Fudge. Vor allem das Salden Karamell Fudge ist zum Sterben lecker.

The crooked Sir John Boys House

The crooked Sir John Boys House

The crooked Sir John Boys House

Auch um die Kathedrale herum kann man hervorragend 1 Tag in Canterbury verbringen. Die Straßen sind typisch englisch, klein und verwickelt mit jeder Menge schmalen Alleys dazwischen. Sich treiben zu lassen lohnt sich. Nicht verpassen solltet ihr aber eine Kuriosität der Stadt, das Sir John Boys House (28 Palace Street). Wahrscheinlich habt ihr sogar schon Bilder davon gesehen, denn das Haus ist mittlerweile eine richtige Berühmtheit. Das Haus ist so schief, dass es droht jeden Moment umzufallen. Würde es vielleicht auch, aber mittlerweile wurde das 500 Jahre alte Gebäude gesichert und beherbergt heute einen Charity Shop.

The black and white Old Weavers’ House

The black and white Old Weavers’ House

The black and white Old Weavers’ House

Zurück auf der Hauptstraße, der Peter’s Street, könnt ihr das Old Weavers House gar nicht verpassen. Gebaut wurde es von Hugenotten, die vor der religiösen Verfolgung in Frankreich im 17. Jahrhundert flohen. Die Hugenotten (und auch die Flamen) waren berühmt für ihre Handwerkskunst, unter anderem als Weber. Heute sind dem großen Gebäudekomplex an der Straße und dem Fluss Stour vor allem Restaurants.

Eastbridge Hospital

Gleich in der Nähe befindet sich das Eastbridge Hospital of St Thomas the Martyr. Seit dem 12. Jahrhundert bot es armen, erkrankten und obdachlosen Pilgern Obhut und wird bis heute karitativ genutzt. Trotzdem kann es im Sommer täglich besucht werden. Viki und ich waren nicht drin, aber auch der Blick von außen ist lohnenswert.

Westgate Tower

Westgate Tower

Westgate Tower

Der Westgate Tower am Ende der High Street, ist das größte noch stehende Torhaus Englands und ca. 18m hoch und in meinen Augen für einen Aufenthalt von 1 Tag in Canterbury Pflicht. Zwar liegt es auf der einen Seite wenig idyllisch an einer großen Autokreuzung, bietet auf der anderen Seite aber einen tollen Blick auf den River Stour und die Westgate Gardens. Ursprünglich stand es nicht so alleine, sondern war Teil der großen Stadtmauer (die am anderen Ende der High Street noch erhalten geblieben ist). Wie so viele Teile der Stadt fiel aber das den deutschen Bomben im Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Heute ist in dem Turm ein Museum zur Stadtgeschichte, u.a. zur Verteidigung der Stadt in der Geschichte, zu Verbrechen und zur Magna Charta. Das Museum kann für £4 (oder als Kombi-Ticket mit den Canterbury Tales für £14) besichtigt werden und bietet auch die Möglichkeit eines Panoramablicks von der Spitze des Turms auf die Altstadt von Canterbury.

River Stour

River Stour

River Stour

Im Sommer sieht man auf dem Fluss etliche Ausflügler in Booten. Hat man nur 1 Tag in Canterbury ist dafür die Zeit vielleicht zu knapp (wie bei uns), aber eine Bootstour auf dem Fluss zählt zu den Top Touristen Attraktionen der Stadt. Klassisch im Ruderboot oder mit einem Stechkahn geht es durch die Häuserschluchten der Stadt und aus dem Zentrum hinaus. Die Touren kosten zwischen £10 und £20, je nach Anbieter und Art der Tour. Wer wie wir keine Zeit dafür hat, kann auch einfach – dort wo es geht und kein Privatbesitz ist – am Ufer entlang spazieren.

Die Reste der St- Augustine's Abbey

Die Reste der St- Augustine’s Abbey

St Augustine’s Abbey & St Martin’s Church

Wer noch Zeit und Lust hat, kann sich außerhalb des Stadtzentrums noch zwei berühmte Kirchen der Stadt ansehen. Beide stammen aus dem 6. Jahrhundert und zählen zwar nicht zu den Top Sehenswürdigkeiten, sind aber dennoch – auch ohne einen Besuch – sehenswert. Denn beide halten sie Rekorde: Die St. Augustine’s Abbey wurde um das Jahr 597 (genau kann man es nicht sagen) herum von Benediktiners gegründet und ist damit das älteste Kloster Südenglands. Heute sind vor allem noch Ruinen und Grundmauern des Klosters übrig, was nicht an den deutschen Bomben lag, sondern Folge der englische Revolution war. Obwohl sich die Mönche mit Cromwell und später Henry VIII einigen konnten und das Kloster nicht zerstört wurde, wurde es im Verlauf der Geschichte dennoch Stein für Stein als Material für andere Gebäude abgetragen. Das was übrig blieb, kann man sich heute täglich im Museum für £7,20 (oder kostenlos als English Heritage Member) angucken. Wir haben uns die Klosteranlage (übrigens ebenso wie z.B. die Tintern Abbey in Süd-Wales) allerdings nur von außen angeschaut.

Dieses Schicksal blieb der St Martin’s Church, nur wenige Gehminuten vom Kloster entfernt, erspart. Sie ist ebenfalls gute 1500 Jahre alt. Damit ist die älteste Kirche im englischsprachigen Raum, die auch noch bis heute als solche genutzt wird.


Ich war insgesamt absolut begeistert von Canterbury und möchte auf jeden Fall mal wieder hin. Trotz der Touristen ist es ruhig, fast schon beruhigend und so herrlich englisch. 

1 Day in Canterbury Canterbury Travel Guide Best Things To Do And See in Canterbury

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